Eine Hand hält ein Glas Thomy Mayonnaise von Nestlé
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Beststellstopp in mehreren Supermarkt-Ketten Nestlé-Produkten droht Boykott

Stand: 19.02.2018, 08:29 Uhr

In deutschen Edeka-Supermärkten könnte es bald keine Maggi-Suppen, Thomy-Mayonnaise und Wagner-Pizza geben. Grund: Nestlé, der Hüter der Marken, verlange zu hohe Einkaufspreise.

Edeka hat die Bestellung von 163 Nestlé-Produkten gestoppt, berichtet die "Lebensmittel-Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe. Ihren 4.000 selbstständigen Einzelhändlern hat die Einkaufsgemeinschaft von Edeka eine Liste mit den entsprechenden Waren geschickt, die nach und nach aus dem Sortiment genommen werden sollen. Neben Maggi-Suppen, Thomy-Mayonnaise und Wagner-Pizza betrifft dies auch Nescafé und die Wassermarken Vittel und San Pellegrino. Mit dem Bestellstopp will die Supermarktkette bessere Einkaufskondition durchboxen. Andere Ketten wie Rewe bekämen günstigere Konditionen, wirft Edeka Nestlé vor.

Edeka, Intermarché und Coop verbannen Nestlé-Waren

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Auch in Frankreich und der Schweiz dürften mehrere Nestlé-Markenprodukte bald aus den Regalen verschwinden. Die europäische Händlerallianz Agecore, zu der neben Edeka die französische Intermarché-Kette und die schweizerische Coop-Gruppe zählen, will mit einem Boykott von Nestlé-Produkten bessere Konditionen erzwingen.

"Wir haben einen Bestellstopp auf über 150 Artikel veranlasst", sagte Coop-Sprecher Urs Meier gegenüber der Schweizerischen "Handelszeitung". Der Bestellstopp gelte seit dieser Woche für alle gekühlten Thomy-Salatsaucen. Am Montag sollen Cailler Perles, Nescafé Azera und Buitoni La Fina folgen. Coop verlange von Nestlé "faire Einkaufspreise zu partnerschaftlichen Konditionen".

Harter Schlag für Nestlé

Der Boykott in mehreren europäischen Supermarkt-Ketten könnte Nestlé hart treffen. Der Schweizer Nahrungsmittelriese erzielt laut "Lebensmittelzeitung" mehr als zehn Prozent des Europa-Umsatzes in den Läden der Agecore-Händler.

Im vergangenen Jahr ließ die Wachstumsdynamik bei Nestlé nach. Der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller legte nur noch organisch um 2,4 Prozent zu. Im vierten Quartal betrug das Wachstum sogar noch 1,9 Prozent.

nb

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Unternehmensgründer Henri Nestlé: Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.