Nestlé Zentrale

Umbau schreitet voran Nestlé kauft Magen-Darm-Medikament

Stand: 27.01.2020, 09:20 Uhr

Der Umbau des Lebensmittelkonzerns Nestlé schreitet voran. Das Unternehmen setzt nicht nur auf mehr Nachhaltigkeit und weniger zuckerhaltige Produkte. Auch das Medizin-Geschäft wird weiter ausgebaut.

Am Montag verkündete Nestlé, vom Pharmakonzern Allergan dessen Magen-Darm-Medikament Zenpep erworben zu haben. Allergan habe damit 2018 einen Umsatz von 237 Millionen Dollar erwirtschaftet. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht.

Zenpep ist laut den Angaben in den Vereinigten Staaten erhältlich. Es ist ein Medikament für Menschen, die Nahrung nicht richtig verdauen können, weil ihre Bauchspeicheldrüse nicht genügend Enzyme zum Abbau von Fett, Proteinen und Kohlenhydraten liefert. Mit Zenpep werde das bestehende Angebot an Ernährungsprodukten ergänzt, so Nestlé weiter.

Umbau geht weiter

Damit setzt sich der Umbau des Schweizer Lebensmittelkonzerns fort. Zuvor hatte Nestlé bereits den britischen Hersteller von Diätprodukten Vitaflo sowie das kalifornische Prometheus Labs, das sich auf die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen spezialisiert hat, erworben. Ziel ist es, Nestlé stärker auf dem Gebiet der Ernährungstherapie zu positionieren.

Parallel dazu vollzieht Vorstandschef Mark Schneider, der Anfang 2017 von Fresenius in die Schweiz gewechselt war, eine stärkere Neuausrichtung auf nachhaltige Lebensmittel und Gesundheitstrends.

Zahlreiche Veräußerungen

Dazu gehören auch Veränderungen des Portfolios durch Verkäufe von Geschäftsteilen. Zuletzt wurde die Mehrheit des Wurstgeschäfts an den spanischen Lebensmittelkonzern Casa Tarradellas veräußert. Die Transaktion betrifft das Herta-Wurst- und Fleischwarengeschäft sowie Teigprodukte der Marke Herta in Frankreich und Belgien.

Nestlé behält hingegen das Geschäft mit vegetarischen Produkten von Herta und möchte dieses weiterentwickeln. Die Geschäfte mit den Wurstwaren von Herta trugen 2018 rund 667 Millionen Euro zum Nestlé-Umsatz bei.

Anfang Oktober hatte Nestlé den Verkauf der Hautpflegesparte für rund 10 Milliarden Franken an ein Investorenkonsortium verkündet. Im Dezember wurde bekannt, dass Nestlé sein US-Speiseeisgeschäft für vier Milliarden Dollar an das zusammen mit dem Finanzinvestor PAI Partners betriebene Gemeinschaftsunternehmen Froneri verkauft. Mit dieser Transaktion komme Froneri dem Ziel, weltweiter Eiscreme-Marktführer zu werden, einen großen Schritt näher. Das Speiseeisgeschäft von Nestlé USA erzielte 2018 einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar. Mit Marken wie Häagen-Dazs, Drumstick und Outshine sei man in wichtigen Märkten führend, so Firmenchef Schneider.

Kurs kräftig gestiegen

Insgesamt will Nestlé die laufenden Konzernkosten bis 2020 um 2,5 Milliarden Franken senken und dann organisch im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Gleichzeitig lässt sich Nestlé den Weg offen für weitere Akquisitionen wie die am Morgen verkündete Transaktion.

Als Sorgenkind galt zuletzt noch das Wassergeschäft, weil es im vergangenen Jahr nur verhalten wuchs. Der Konzern führte dies unter anderem auf eine enttäuschende Sommersaison in Europa zurück. Nestlé will die Sparte deshalb umbauen

Bis jetzt hat sich der radikale Umbau des Lebensmittelriesen ausgezahlt. Seit Mark Schneider vor drei Jahren an die Spitze von Nestlé wechselte, ist der Kurs des Schweizer Konzerns um 50 Prozent gestiegen, ein Großteil davon im vergangenen Jahr.

Aktienrückkäufe angekündigt

Entscheidend dazu beigetragen hat die Erwartung deutlich besserer Umsatz- und Ergebniszahlen. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 2,9 Prozent auf rund 68,4 Milliarden Schweizer Franken und traf damit die Erwartungen der Analysten.

Zudem sollen von 2020 bis 2022 bis zu 20 Milliarden Schweizer Franken an die Anteilseigner ausgeschüttet werden, und zwar hauptsächlich über Aktienrückkäufe. Auch Sonderdividenden soll es geben. Dennoch läuft die Aktie seit dem Hoch im September bei 113 Franken seitwärts, so als warteten die Anleger auf neue Impulse.

lg