Nestlé Zentrale

Schwächere Wachstumsdynamik im Schlussquartal Nestlé verliert etwas an Schwung

Stand: 13.02.2020, 08:56 Uhr

Der Umbau des Nahrungsmittel-Multis zahlt sich aus: 2019 verzeichnete Nestlé das stärkste organische Wachstum seit vier Jahren. Allerdings ließ im Schlussquartal das Tempo etwas nach. Die Geschäfte mit Wasser und China schwächelten. Wird 2020 schwieriger?

Nestlé-Chef Mark Schneider bleibt ehrgeizig. Nachdem er den trägen Tanker Nestlé am Genfer See wieder auf Kurs gebracht hat, will er ihn weiter beschleunigen. Im laufenden Jahr stellt er beim organischen Umsatzwachstum weitere Steigerungen in Aussicht. Genaue Zahlen nannte er nicht. 2021/22 sollen dann wieder alte Wachstumsraten im mittleren einstelligen Prozentbereich erreicht werden. Ursprünglich war dieses Ziel schon für dieses Jahr geplant.

Organisches Wachstum von 3,5 Prozent

2019 wuchs Nestlé aus eigener Kraft um 3,5 Prozent - so stark wie zuletzt 2015. Im vierten Quartal verlor der Konzern jedoch etwas an Schwung. Das Wachstum betrug nur noch drei Prozent. Grund ist das schwächere Wassergeschäft. Auch im wichtigen chinesischen Markt gab es Bremsspuren. Die Nachfrage nach Babynahrung ließ nach.

Wie stark die aktuelle Coronavirus-Krise das Wachstum in China belaste, konnten die Nestlé-Manager nicht genau sagen. Es sei noch zu früh, die finanziellen Auswirkungen zu beziffern, erklärte Nestlé-Chef Schneider. Die Produktion sei in China kürzlich wieder aufgenommen worden - allerdings in reduziertem Umfang.

Nestlé-Aktien rutschen ab

Dank der starken Nachfrage in den USA und bei Heimtierprodukten stieg der Umsatz um 1,2 Prozent auf 92,6 Milliarden Franken. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 4,8 Prozent auf 16,3 Milliarden Franken. Die operative Rendite verbesserte sich auf 17,6 Prozent.

Anleger hatten mehr erwartet. Der Höhenflug der Nestlé-Aktie ist am Donnerstag vorerst gestoppt. Vorbörslich sackt das Papier um 1,7 Prozent ab. Auf Ein-Jahres-Sicht ist der Kurs um gut 24 Prozent gestiegen - von einem Rekordhoch zum nächsten. Das trieb den Schweizer Leitindex SMI in neue Höhen.

Unter dem Strich verdiente Nestlé 12,6 Milliarden Franken - gut ein Viertel mehr als noch im Vorjahr. Die Aktionäre sollen eine um 25 Rappen erhöhte Dividende von 2,70 Franken bekommen.

Veggie-Burger statt Herta-Wurst und zuckriges Eis

Die Branche steht unter Druck, da Konsumenten zunehmend zu frischen und gesünderen Nahrungsmitteln greifen, während Fertigprodukte zu Ladenhütern werden. Auch Nestlé will von diesem Trend profitieren und hat unter anderem vegane Burger auf den Markt gebracht.

Dagegen wurden die Hauptpflegesparte, das US-Speiseeis-Geschäft und die Mehrheit des Wurstgeschäfts von Herta veräußert. Konzernchef Schneider deutete an, dass sich Nestlé von weiteren Geschäften trennen könnte: "Mit weiteren entschlossenen Maßnahmen werden wir uns den Geschäftsbereichen annehmen, die unter den Erwartungen liegen."

nb