Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider

Belegschaft eingeschworen Nestlé erwartet "Nachfragesturm"

Stand: 24.03.2020, 13:45 Uhr

Nestlé-Chef Mark Schneider hat angesichts der Coronakrise einen dringlichen Appell an die Belegschaft des Lebensmittelriesen gerichtet. Das klingt dramatisch, bedeutet aber für das Unternehmen wohl ein starkes Wachstum.

Schneider forderte seine rund 290.000 Mitarbeiter dazu auf, alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um Kunden mit den benötigten Lebensmitteln und Getränken zu versorgen. "Bitte machen Sie sich auf den Sturm gefasst - denn er wird kommen", so Schneider in einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden internen Mitteilung.

In den noch nicht betroffenen Gebieten müssten Lagerbestände mit kritischen Produkten aufgebaut werden. "Dies ist der Moment für zusätzliche Anstrengungen, um die zusätzliche Meile zu gehen", so Schneider.

Bereits Ende Februar nahm der Konzern das Coronavirus extrem ernst. Als eins der ersten Unternehmen verhängte Nestlé einen kompletten Reisestopp für seine Beschäftigten. Alle Mitarbeiter waren weltweit dazu aufgefordert worden, keine internationalen Geschäftsreisen mehr zu unternehmen. Auch innerhalb eines Landes sollten Videokonferenzen alle persönlichen Treffen ersetzen.

Zehn bis 15 Prozent mehr Umsatz?

Schneiders Worte klingen nach Krise und Dramatik. Dabei könnte Nestlé stark profitieren: Restaurants und Bars haben geschlossen, da steigt unwillkürlich die Nachfrage nach Lebensmitteln und Getränken in Supermärkten.

Nestlé-Schöller Eis-Werbung

Nestlé-Schöller Eis. | Bildquelle: Imago

Nach Angaben der Boston Consulting Group können sich Lebensmittelhändler über mehrere Wochen auf zehn bis 15 Prozent mehr Umsatz einstellen. Die Menschen brauchen mehr Lebensmittel - unter anderem auch bekannte Nestlé-Produkte wie Nescafé, Gerichte von Maggi, Pizzen von Wagner, Eis von Schöller oder Kitkat.

"Unsere Werke produzieren aktuell unter Voll-Last", schreibt Nestlé auf der deutschen Website. So seien besonders kulinarische Produkte, Tiefkühlkost, Mineralwasser und Babynahrung aktuell stark nachgefragt. Den Umsatzzuwachs kann der Konzern gut gebrauchen. So verlor er doch im vierten Quartal etwas an Schwung.

Kursverluste im Rahmen

An der Schweizer Börse halten sich die Aktien vergleichsweise wacker. So sackten die Papiere seit Anfang Februar "lediglich" um knapp zwölf Prozent ab. Am Dienstag gewannen die Titel zeitweise über drei Prozent.

Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für den Konzern von 120 auf 105 Franken gesenkt, aber die Einstufung auf "Buy" belassen. Analyst Charles Eden passte seine Bewertungsmodelle für die europäischen Konsumgüterkonzerne an die Corona-Krise und die jüngsten Schwankungen an den Devisenmärkten an.

Vor diesem Hintergrund seien die Anbieter aus dem Segment Haushalts- und Körperpflege derzeit besser positioniert als die Nahrungsmittelhersteller, schrieb er in einer am Dienstag vorliegenden Branchenstudie. Seine Gewinnprognosen für 2020 reduzierte er für fast alle von ihm beobachteten Sektorunternehmen.

tb