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Was wird aus Herta-Wurstwaren? USA und China pumpen Nestlé auf

Stand: 14.02.2019, 15:25 Uhr

In China werden vermehrt Nestlé-Produkte gekauft, in den USA läuft das Geschäft gut, aber vor allem in den Schwellenländern ist die Nachfrage kräftig: Der weltgrößte Lebensmittelkonzern aus der Schweiz wächst solide. Und trotzdem geht es Nestlé auch um die Wurst.

Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Jahr um 2,1 Prozent auf 91,4 Milliarden Schweizer Franken (80,3 Milliarden  Euro). Das maßgebliche organische Umsatzwachstum, also ohne Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe, betrug drei Prozent - nach 2,4 Prozent im Jahr davor. Damit erfüllte die Firma mit Marken wie Maggi und Nespresso die Erwartungen von Analysten und die eigene Prognose.

Der Gewinn stieg auch dank eines Sonderertrags aus dem Verkauf des US-Süßigkeitengeschäfts um 42 Prozent auf 10,1 Milliarden Franken. Analysten hatten aber mit noch mehr gerechnet.

Tierische Geschäfte

In Nordamerika und in Europa liefen nach Unternehmensangaben Produkte für Heimtiere recht gut. Der Heimtiermarkt gilt unter Fachleuten als besonders zukunfts- und wachstumsträchtig. In Deutschland erwirtschaftet Nestlé rund zehn Prozent des Umsatzes mit Tierprodukten. In China lag das Wachstum insgesamt deutlich über dem Vorjahr, hieß es weiter.

"Wir haben bei der Neuausrichtung unseres Produktportfolios bedeutende Fortschritte erzielt, unseren strategischen Fokus geschärft und dabei wichtige Wachstumskategorien und -regionen gestärkt. Unsere einzigartige Nutrition, Health und Wellness-Strategie, mit Nahrungsmitteln, Getränken und gesundheitsunterstützender Ernährung im Zentrum, ist im abgelaufenen Jahr deutlich klarer erkennbar geworden", sagte Firmenchef Mark Schneider.

Jetzt geht's um die Wurst

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider: Erkennbare Strategie. | Bildquelle: picture alliance / Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Für das laufende Jahr erwartet der Schweizer Konzern eine weitere Verbesserung des organischen Umsatzwachstums. Bis 2020 will Nestlé wieder auf frühere Wachstumsraten von rund fünf Prozent kommen. Dafür baut er den Konzern um und setzt auf schnell wachsende Bereiche wie Wasser, Kaffee, Babynahrung, Tiernahrung und Gesundheitsprodukte.

Im Zuge dessen hat Nestlé zugekauft und sich von anderen Bereichen getrennt: Bis zum Sommer dieses Jahres will der Konzern eine Entscheidung über die Zukunft der Hautgesundheitssparte Skin Health treffen. An dem Bereich gibt es Schneider zufolge "außerordentlich starkes Interesse". Zudem prüft Nestlé einen Verkauf des Aufschnitt- und Fleischwarengeschäfts der Konzernmarke Herta mit einem Jahresumsatz von 680 Millionen Franken. Die vegetarischen Angebote von Herta will der Lebensmittel-Riese aus Vevey behalten. Vegetarische Lebensmittel seien deutlich "vielversprechender" als fleischhaltige Angebote, erklärte Konzernchef Schneider.

Neuausrichtung noch lange nicht abgeschlossen

Mit diesen beiden geplanten Verkäufen sei die Neuausrichtung von Nestlé aber noch lange nicht zu Ende. "Die Weiterentwicklung des Portfolios wird weitergehen", erklärte Schneider am Morgen. Es gebe keinen Grund, sich zurückzulehnen.

Der Nestlé-Chef kann sich weitere Zukäufe in vielversprechenden Bereichen vorstellen. "Wir wollen auf Trends und Bereiche setzen, die nach oben gehen - das tun wir durch interne Entwicklungen", sagte er. "Wenn wir etwas kaufen können, das sich stark im Aufwind befindet, dann tun wir das gerne auch." Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern will in seinem Produktportfolio zunehmend Fett und Zucker reduzieren. Das dürfte allerdings ein langer Atem notwendig sein. Außerdem sollen Kunststoff-Abfälle vermieden werden. Bis 2025 will Nestlé sämtliche Verpackungen für seine Nahrungsmittel wiederverwendbar oder wiederverwertbar machen.

ts/ nb

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Vom Wohltäter zum Lebensmittel-Multi Die Nestlé-Geschichte

Unternehmensgründer Henri Nestlé

Unternehmensgründer Henri Nestlé
Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.