Angeleuchtete Stuhlreihe in der zweiten Reihe

Augen auf die Kleinen! Nebenwerte sind der Renner

Stand: 20.04.2018, 14:20 Uhr

Bei der Börsenberichterstattung kommen Nebenwerte oft zu kurz, das Anleger-Interesse ist vergleichsweise gering. Doch damit tut man kleineren und mittleren Aktien häufig Unrecht. Blickt man auf den deutschen Aktienmarkt, ist die Wertentwicklung der kleineren Werte beeindruckend.

In den vergangenen zehn Jahren legten die 30 Standardwerte im Dax 85 Prozent zu. Bei den 50 Werten im SDax lag das Plus im Gegensatz dazu bei 169 Prozent.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
10.865,77
Differenz relativ
-0,54%
SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
9.883,56
Differenz relativ
-1,24%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
22.281,45
Differenz relativ
-0,89%

Ein gängiges Argument gegen kleinere und mittlere Aktien lautet, dass die Volatilität und damit das Risiko von solchen Investments erhöht ist. Doch auch dieses Argument lässt sich entkräften. So haben die Analysten von M.M. Warburg erst vor kurzem ermittelt, dass die Schwankungsfreudigkeit der kleinen Werte inzwischen sogar unterhalb der des Dax‘ liegt. Denn in der Vergangenheit war das häufig anders.

"Wer sich auf kleine Unternehmen mit besonders stabilen Geschäftsmodellen konzentriert, sollte auch in Zukunft in der Lage sein, Large-Cap-Indizes zu schlagen, ohne dabei zugleich höhere Risiken einzugehen", heißt es von M.M. Warburg. 

Auch für die USA sprechen die Daten eine eindeutige Sprache. So hat auf Sicht von zehn Jahren hat der Russell 2000 die Nase vorn. Hier lag das Plus bei 119 Prozent, verglichen mit 94 Prozent beim S&P 500 und 92 Prozent für den Dow, immerhin der wohl bekannteste und meistgenannte Börsenindex weltweit.

Auch in diesem Jahr läuft es für den Russell 2000 besser, seit Jahresbeginn hat er 1,3 Prozent hinzugewonnen. Der S&P 500 erreichte immerhin noch ein Plus von 0,8 Prozent. Schlusslicht bildet der Dow-Jones-Index mit einem Verlust von 0,2 Prozent.

Trump tut was für die Kleinen

Marktbeobachter begründen die aktuelle Entwicklung auch mit der Wirtschaftspolitik von Donald Trump. Angesichts drohender Handelskriege kommt den kleineren und mittleren Werten ihr höherer Umsatzanteil in den USA zu Gute. Laut FactSet hat der Dow mit 61,7 Prozent den geringsten Umsatzanteil in den USA, während der Russell 2000 mit 79,4 Prozent besonders stark auf dem Heimatmarkt vertreten ist. Unternehmen aus dem S&P 500 erwirtschaften demnach 69,7 Prozent ihrer Erlöse in den Vereinigten Staaten.

Die Anleger haben diesen Trend erkannt und entsprechend umgeschichtet. Im vergangenen Monat flossen laut dem Informationsanbieter FactSet-Daten 1,8 Milliarden Dollar in Small-Cap-ETFs, die in den USA gelistet sind. Etwa 18,6 Milliarden Dollar wurden aus börsengehandelten Large-Cap-Fonds abgezogen.

ME

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