Porsche Taycan Turbo (r.) und Turbo S

Neuer E-Sportwagen Taycan "Natürlich ein echter Porsche"

Stand: 04.09.2019, 15:37 Uhr

Noch vor der IAA hat Porsche am Mittwoch seinen ersten Elektrosportwagen vorgestellt. Für Autofans ein Mega-Event mit Live-Übertagung einer Premiere, die auf drei Kontinenten gleichzeitig stattfand. Für Porsche steht mit dem Eintritt ins Elektrozeitalter viel auf dem Spiel.

Der Porsche Taycan soll nach dem 911 das wichtigste Modell des Konzerns werden. Jährlich will Porsche bis zu 40.000 Exemplare davon in der neuen Halle in Zuffenhausen herstellen – 30.000 sind laut Produktionschef Albrecht Reimold schon vorbestellt. Damit muss sich der E-Autopionier Tesla auf ernsthafte Konkurrenz einstellen.

Begleitet wird die Einführung des Elektroautos von einer riesigen Marketingkampagne. Der Taycan fuhr nicht nur einen neuen Rekord auf der Nordschleife des Nürburgrings ein. Ein Prototyp der batteriebetriebenen Sportlimousine beschleunigte auf dem Deck eines US-Flugzeugträgers in 2,8 Sekunden auf 100 km/h. Die Reichweite wird mit 450 Kilometern angegeben.

Premiere auf drei Kontinenten

Dazu passt, dass Porsche sein erstes reines Elektromodell zeitgleich auf drei Kontinenten präsentierte: Amerika, Europa und Asien. Sie sind auch die wichtigsten Absatzmärkte und stehen stellvertretend für eine nachhaltige Energiewirtschaft.

So stellen die Niagarafälle an der Grenze zwischen den USA und Kanada die Wasserkraft dar, der Solarpark in Neuhardenberg bei Berlin die Sonnenenergie und der Windpark auf der chinesischen Insel Pingtan die Windkraft.

Ende dieses Jahres wird das Auto an die ersten Kunden ausgeliefert, die USA machen den Anfang. Die Erwartungen sind groß. Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen Dieselskandal und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt.

Porsche Taycan Turbo S

Porsche Taycan Turbo S. | Bildquelle: Porsche

Sechs Milliarden Euro an Kosten

Der Konzern selbst hat Nachhaltigkeit und Elektromobilität zum Top-Thema gemacht und dafür viel Geld in die Hand genommen. Bis 2022 wird der Umbau sechs Milliarden Euro verschlingen. 1.500 neue Leute sollen eigens dafür eingestellt werden. Das komplette Werk am Stammsitz in Zuffenhausen wurde in den vergangenen Monaten für den Taycan aus- und umgebaut. Die Belegschaft verzichtete auf Geld, damit die Produktion dort angesiedelt wird und nicht anderswo, wo es billiger gewesen wäre und mehr Platz gegeben hätte.

Porsche hat gar den Beginn einer neuen Ära ausgerufen - und muss nun liefern. Insofern braucht also vor allem auch die VW-Tochter selbst jetzt den Taycan. Und ob den dann wirklich jeder will - und wer ihn will - muss sich erst zeigen. Da geht es Porsche gerade nicht anders als allen anderen Autobauern, die zum Sprung ins Elektro-Zeitalter ansetzen.

Keine Zukunft ohne Risiken

Vorstandschef Oliver Blume ist sich des Risikos bewusst. Aber ohne den Mut dazu sei in der Zukunft eben auch nichts zu holen. Und Porsche habe sich früh festgelegt: "Wir haben die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt, noch bevor die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors und den Klimaschutz aufkamen", betont der 51-Jährige.

Porsche Taycan Turbo

Porsche Taycan Turbo. | Bildquelle: Porsche

Blume ist überzeugt, dass das Geld gut angelegt und das Risiko kontrollierbar ist - und der Taycan als erstes Elektromodell das richtige Auto. "Wir haben uns mit dem Taycan bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war", sagt er.

Schaut man auf die Verkaufszahlen, hätte sich das SUV-Segment zum Start auch bei Porsche womöglich eher angeboten - als die sicherere Variante sozusagen. Der Taycan hingegen ist irgendwo zwischen dem Klassiker 911 und dem viertürigen Panamera angesiedelt. Den aktuellen Topseller, den kleinen SUV Macan, soll es zwar auch als reine E-Variante geben - aber erst 2022.

Elektromobilität wird Erfolgsstory

"Das ist in gewisser Weise ein Wagnis", sagt Stefan Reindl, der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Aber letztlich sei es auch Marketing. Porsche lebe nun einmal davon, vor allem bemerkenswerte Autos zu bauen. "Und man will zeigen, dass Elektromobilität nicht Verzicht heißt", erklärt Reindl. Und natürlich wolle man sich auch von anderen unterscheiden.

Die Frage, ob der Konzern aus der Elektro-Nummer zur Not auch nochmal herauskäme, falls es nicht läuft, stelle sich nicht, meint Blume. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Elektromobilität eine Erfolgsstory für Porsche wird", sagt er.

Bauen kann der Vorstandschef darauf, dass sich weltweit schon Tausende Menschen in den vergangenen Monaten quasi eine Katze im Sack gekauft haben. Für jeweils 2.500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für den Taycan angenommen, von dem bislang kaum jemand weiß, wie er in der Serienversion aussieht und wie er sich fährt. Blume wird deshalb auch nicht müde zu betonen, dass auch ein E-Porsche "natürlich ein echter Porsche" sei.

Porsche Taycan Turbo S

Porsche Taycan Turbo S. | Bildquelle: Porsche

lg/dpa