Nanogate Labor

Staatshilfe, Kurzarbeit, Covenants Zeitgewinn für Nanogate

Stand: 16.04.2020, 13:14 Uhr

Eine Kette schlechter Nachrichten belastet das Technologie-Unternehmen Nanogate schon seit längerem. Dann kam Corona. Die liquiden Mittel schrumpfen, aber heute sehen die Anleger einen Hoffnungsschimmer.

Nanogate stellt unter anderem als Zulieferer für die Autoindustrie multifunktionale Komponenten und Oberflächen her und stattet sie mit Eigenschaften wie antihaftend, kratzbeständig oder korrosionsschützend aus. Das Geschäft lief zuletzt immer schlechter: Das abgelaufene Geschäftsjahr hatte Nanogate vorläufigen Zahlen zufolge mit einem Umsatz von 242 Millionen Euro abgeschlossen und verfehlte damit die ohnehin mehrfach nach unten korrigierten Prognosen.

Der Verlust betrug 14 Millionen Euro nach einem Plus von 1,4 Millionen im Vorjahr. Die liquiden Mittel betrugen zum Bilanzstichtag Unternehmensangaben zufolge mehr als 23 Millionen. 2018 waren es noch 38,2 Millionen Euro. Das Polster schrumpft.   

Nanogate SE-CFO Götz Gollan

Nanogate SE-CFO Götz Gollan. | Bildquelle: Nanogate

Für das laufende Jahr wagte der Vorstand angesichts der Corona-Pandemie keine konkrete Prognose. Aber so wie sich die konjunkturelle Lage derzeit darstellt, dürfte es 2020 kaum besser werden.   

Finanzhilfen sind beantragt   

Deshalb sucht der Oberflächenspezialist längst staatliche Unterstützung, denn die Lage ist ernst, das Unternehmen aus dem Saarland ist gefährdet: "Um den Fortbestand des Konzerns zu sichern, beantragt Nanogate Finanzhilfen bei der Staatsbank KfW und plant erhebliche Kostensenkungen, unter anderem durch Kurzarbeit", teilte das Unternehmen unlängst mit. Erhebliche Belastungen für Umsatz, Ergebnis und Liquidität würden drohen.

Das ist auch nicht verwunderlich angesichts der Katastrophenmeldungen bezüglich der weltwirtschaftlichen Lage. Für den konjunkturabhängigen Autozulieferer sind Produktionsstopp und Werkschließungen in dieser Branche existenzgefährdend.      

Produktionsstrasse Nanogate

Produktionsstraße von Nanogate. | Bildquelle: Unternehmen

Aktie zieht kräftig an

Die Anleger reagierten darum erfreut auf die Mitteilung, dass das Management mit den kreditgebenden Banken eine Verlängerung der Aussetzung der Kreditbedingung zu den Finanzkennzahlen (Covenants) des Konsortialkreditvertrages vom Mai 2018 zum Verschuldungsgrad zunächst bis zum 31. August 2020 vereinbart hat. Covenants sind vertraglich bindende Zusagen des Kreditnehmers, etwa bestimmte betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu erreichen. Nanogate ist es also gelungen, den wirtschaftlichen Spielraum vorerst zu erweitern.        

Im Herbst 2017 hatten die Titel noch über der Marke von 50 Euro notiert. Seitdem sackten sie stetig abwärts bis auf einen Tiefstand bei weniger als 2,00 Euro Ende März dieses Jahres. Mittlerweile hat sich die Aktie einigermaßen gefangen, heute steigt sie wegen der für Nanogate günstigen Finanzierungsvereinbarung deutlich an.

Auch die Tatsache, dass die Autoindustrie die Produktion langsam wieder hochfahren wird, dürfte leichten Rückenwind geben.  

ts