Pocol-Laden in Bochum
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2016er-Zahlen zurückgezogen Nächster Akt im Steinhoff-Drama

Stand: 14.12.2017, 20:39 Uhr

Der Möbelkonzern aus dem MDax bleibt die Skandalnudel der Börse. Steinhoff zieht die Bilanz für das vergangene Jahr zurück. Am Abend gab's personelle Konsequenzen: Der Übergangschef verkündete seinen Rücktritt.

Am Donnerstagabend teilte der Mutterkonzern des Möbelhändlers Poco zudem mit, dass sich Hauptaktionär und Übergangschef Christo Wiese aus dem obersten Führungszirkel zurückzieht. Mit dem Rückzug von Wiese sollten mögliche Interessenkonflikte ausgeschlossen werden, hieß es zur Begründung. Er werde dem Unternehmen aber zur Seite stehen, wenn dies nötig sei. Auch sein Sohn Jacob Wiese scheidet aus dem Kontrollgremium aus. Die gelernte Investmentbankerin Heather Sonn, die als unabhängiges Mitglied im Aufsichtsrat sitzt, übernimmt den Vorsitz.

Am Mittwochabend hatte der Möbelkonzern seine Bilanz für das Jahr 2016 zurückgezogen. Die Zahlen seien nicht mehr zuverlässig, warnte Steinhoff. Im Klartext: Der hinter der schwedischen Ikea-Gruppe zweitgrößte Möbelhändler der Welt traut seinem eigenen Zahlenwerk nicht mehr, das er nun korrigieren muss. Damit geht die Hängepartie um das deutsch-südafrikanische Unternehmen weiter, dessen Aktie im MDax enthalten ist.

Im Raum steht der Vorwurf der Bilanzfälschung, die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit gut zwei Jahren gegen das Unternehmen. Zuletzt war die Vorlage der aktuellen Geschäftszahlen verschoben worden. Da Steinhoff auch eine Anleihe und mehrere Wandelanleihen begeben hat, die unter anderem auch von der EZB gekauft wurden, gerät jetzt auch die Notenbank ins Fadenkreuz der Kritik.

EZB stoppt Steinhoff-Anleihenkäufe

Die EZB hat inzwischen Konsequenzen aus dem Steinhoff-Crash gezogen. Am Nachmittag gab EZB-Präsident Mario Draghi bekannt, dass die Notenbank die Käufe von Anleihen des kriselnden Möbelkonzerns Steinhoff inzwischen gestoppt habe, als die Probleme des Unternehmens bekannt wurden. Die Zentralbank hielt Ende vergangener Woche eine Anleihe des europäischen Zweigs von Steinhoff mit Fälligkeit im Jahr 2025. Es sei nicht ungewöhnlich, dass es Verluste gebe, sagte Draghi. Zur Höhe machte er keine Angaben. Die Zahlen, die kursierten, seien allerdings deutlich übertrieben.

Aktuell konzentrieren sich die Rettungsversuche darauf, die hohen Schulden zu konsolidieren, die laut der Bilanz 2016 bei 16 Milliarden Euro lagen. Großaktionäre hatten dem Unternehmen zuletzt Rückendeckung signalisiert. Mit den Banken stehen Verhandlungen in Kürze auf der Agenda.

Aktie nur noch ein Pennystock

Bitter für die Aktionäre ist das alles allemal. Das Steinhoff-Papier ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Ende 2016 stand noch ein Kurs von fast 5,00 Euro auf der Anzeigetafel, am Donnerstag kostet das Papier nur noch 0,57 Euro. Das wundert nicht, denn verlässliche Zahlen zum Unternehmenserfolg sind die zentrale Kalkulationsbasis für jeden Investor. Schließlich wird aus dem Zahlenwerk auf zukünftige Gewinne geschlossen, die dann an der Börse gehandelt werden.

Zahlreiche Analysten haben inzwischen die Coverage für das Papier schon eingestellt. Die Aktie ist zum Spielball von wilden Spekulationen geworden. Aber auch die Öffentlichkeit, der Fiskus und die Mitarbeiter, die klassischen Adressaten der externen Rechnungslegung, stehen im Regen. Das Steinhoff-Drama geht weiter.

Zeit wird knapp

Wann Steinhoff nun seine korrigierte Jahresbilanz für 2016 veröffentlichen wird, teilte der Möbelhaus-Konzern nicht mit. Allzu viel Zeit hat das MDax-Unternehmen nicht mehr. Wie ein Sprecher der Deutschen Börse auf Nachfrage sagte, müsse Steinhoff die Zahlen bis zum 31. Januar vorlegen.

rm/nb