Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Nächste Nichtentlastung droht Diesmal die Deutsche Bank?

Stand: 06.05.2019, 09:30 Uhr

Was der Bayer- und UBS-Spitze widerfuhr, könnte möglicherweise auch dem Topmanagement der Deutschen Bank drohen: die Nichtentlastung auf der Hauptversammlung in zweieinhalb Wochen.

Für Vorstandschef Christian Sewing und Aufsichtsratsboss Paul Achleitner dürfte das Aktionärstreffen am 23. Mai ziemlich ungemütlich werden. Gleich zwei einflussreiche Stimmrechtsberater haben Bedenken gegen die Entlastung der beiden Top-Manager. Der US-Stimmrechtsberater Glass Lewis empfiehlt, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Zwar gebe es Fortschritte beim Abarbeiten der Rechtsrisiken und bei der Umsetzung der Strategie. Diese würden aber nicht ausreichen, um den Top-Managern der Deutschen Bank das Placet zu geben.

Zwei Stimmrechtsberater äußern Bedenken

Die deutsche Glass-Lewis-Tochter Ivox rät ihren Kunden, die Entlastung zumindest kritisch zu hinterfragen. Nach einem Bericht "Börsen-Zeitung" missfällt dem Stimmrechtsberater die Vergütung des Top-Managements, das schlechte Ergebnis im US-Bankenstresstest sowie die Verwicklung der Deutschen Bank in den Geldwäsche-Skandal der Danske Bank.

Was rät ISS?

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Ob es wirklich eng wird für Sewing und Achleitner auf der HV in zweieinhalb Wochen, dürfte vom Aktionärsberater ISS abhängen. Dieser will laut "Handelsblatt" in dieser Woche seine Empfehlung veröffentlichen.

Im vergangenen Jahr sprach sich ISS für die Entlastung der Deutschen-Bank-Spitze aus, während Glass Lewis zur Nichtentlastung aufrief. Am Ende gab es nur einen kleinen Denkzettel für Aufsichtsratschef Achleitner, der "nur" etwas mehr als 80 Prozent der Stimmen erhielt. Über 90 Prozent entlasteten die Vorstände.

Denkzettel für UBS-Topbanker

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Börse 18.00 Uhr: UBS erhält Rekordstrafe

In der vergangenen Woche hatten die Aktionäre dem Topmanagement der UBS die Entlastung verweigert. Ihnen stieß vor allem eine Milliardenstrafe in Frankreich negativ auf. Wegen Geschäften mit Steuerhinterziehern war dort die UBS im Februar zu 4,5 Milliarden Euro Strafe verurteilt worden. Kritik gab es auch an den üppigen Boni der UBS-Manager.

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B5 Börse 07.27 Uhr: Bayer-Diskussionen dürften weiter gehen

Eine ähnliche Abstimmungsniederlage hatte am Freitag vor einer Woche Bayer-Chef Werner Baumann erlebt. Erstmals war in Leverkusen einem amtierenden Dax-Vorstand die Entlastung verweigert worden. Die Aktionäre kritisierten den Kursverfall nach der Übernahme von Monsanto.

Kein bindendes Votum, aber schlecht fürs Image

Die Verweigerung der Entlastung ist ein Imageschaden für die Manager, personelle Konsequenzen hat sie zunächst nicht. Aktionäre erhalten sich damit für sechs Monate die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche gegenüber Geschäftsführung und Verwaltungsrat geltend zu machen. 

nb