Boeing 747-8 der Lufthansa

Luftfahrt in der Krise Mustert Lufthansa noch mehr Flugzeuge aus?

Stand: 16.09.2020, 10:11 Uhr

Weil der Flugbetrieb auf den Interkontinentalstrecken, besonders in die USA, weiter darniederliegt, überlegt die Lufthansa offenbar noch mehr Flugzeuge als geplant auszumustern.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll die Lufthansa-Flotte womöglich um 130 und damit mindestens 30 Flugzeuge mehr als bisher geplant verkleinert werden. Betroffen von der Ausmusterung sind vor allem die großen Passagier-Jets A340-600 von Airbus und Boeing 747-400. Auch A319-Flieger werden stillgelegt.

Der Konzern hat bereits vor Monaten damit begonnen, Langstreckenflugzeuge vom Typ A340-600 auf den "Flugzeugfriedhof" im spanischen Teruel zu verlegen. Tatsächlich gelten die Großraumflieger wie die 747 von Boeing als unverkäuflich, weil es derzeit für sie keinen Markt gibt. Seit März sind die meisten Flüge in die USA, nach China, Japan und Australien ausgesetzt.

Entscheidung nächste Woche

Vorstandschef Carsten Spohr informierte die Beschäftigten gestern darüber, dass in der kommenden Woche der Vorstand über die abermalige Flottenverkleinerung entscheiden wolle. Vor Ausbruch der Pandemie hatte die Lufthansa weltweit 760 Flugzeuge. Die Zahl der Beschäftigten, die vor der Krise noch rund 140.000 Personen betrug, müsse voraussichtlich um ein Fünftel sinken.

Grund für die Sparmaßnahmen sind die anhaltend schlechten Aussichten der Luftfahrtbranche. Spohr erwartet, dass der Flugverkehr frühestens im Jahr 2024 wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht. Der Konzern will deshalb bis zum Jahr 2023 seine Kosten um 15 Prozent senken. Dazu gehört die Verringerung der Flotte sowie ein Personalabbau.

Zahl der Mitarbeiter über 100.000 halten

Ein Lufthansa-Sprecher wollte sich zu den Zahlen nicht äußern und erklärte, es gebe noch keine Beschlusslage. Bei einem Fünftel wären es mehr als 28.000 Arbeitnehmer, von der sich die Lufthansa-Gruppe trennen würde. Nach früheren Plänen waren wegen der Corona-Krise, die den Luftverkehr weitgehend lahm legt, 26.000 Frauen und Männer zu viel an Bord.

Spohr habe in Aussicht gestellt, die Mitarbeiterzahl über 100.000 zu halten, hieß es weiter. Er habe die schärferen Einschnitte mit den weiter verschlechterten Geschäftsaussichten durch erneute Reisewarnungen und Quarantäne-Regeln in der Pandemie begründet. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht mehr zu vermeiden.

Noch keine Einigung mit den Gewerkschaften

Die Lufthansa hat bisher keine langfristigen Vereinbarungen mit den Gewerkschaften der Piloten und der Boden-Beschäftigten, Vereinigung Cockpit und Verdi, zur Beschäftigungssicherung in der Krise ausgehandelt. Die Lufthansa werde in diesem Jahr allenfalls 25 Prozent des Flugvolumens von 2019 erreichen, sagte der Lufthansa-Chef demnach. Ein Umsatz wie im Vorkrisenjahr von gut 36 Milliarden Euro sei in weiter Ferne.

lg/rtr