ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling
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Der Stuhl wackelt Muss ProSiebenSat.1-Chef Ebeling gehen?

Stand: 10.11.2017, 11:08 Uhr

Die Aktie des Medienkonzerns befindet sich weiterhin auf Talfahrt. Über zehn Prozent Verlust machte der Dax-Titel seit Bekanntgabe der Aussichten für das Gesamtjahr. Nun strauchelt Vorstandschef Thomas Ebeling. Einst als Sanierer gekommen, muss er das Unternehmen wohl vorzeitig verlassen.

In der ProSiebenSat.1-Zentrale in Unterföhring kriselt es. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll sich der Aufsichtsrat um eine Nachfolge für Vorstandschef Ebeling bemühen. Ebeling hatte am Donnerstag die ernüchternde Jahresprognose, mit einem Wachstum im einstelligen Prozentbereich, präsentiert. Die Aktie brach seither um mehr als zehn Prozent auf rund 25 Euro ein.

Damit musste das Management die Jahresprognose bereits zum vierten Mal in diesem Jahr senken. Der Aufsichtsrat, unter Führung vom ehemaligen SAP-Finanzchef Werner Brandt, hat nun die Sägen herausgeholt: Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll Ebeling schon bald den Platz räumen. Doch einfach wir die Nachfolgersuche in Krisenzeiten nicht. So habe es Ebeling versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Die Suche soll daher außerhalb des Unternehmens stattfinden. Denn auch dem restlichen Vorstand werde der Chefposten nicht zugetraut, so die Zeitung.

Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten Finanzchef Gunnar Wiedenfels und Digitalvorstand Christian Wegner hatten den Konzern schon 2016 verlassen. Ebeling könnte nun bald folgen: Gerüchten zufolge soll er nur noch bis zur kommenden Hauptversammlung im Mai 2018 auf dem Chefsessel bleiben.

Vom Retter zum Sündenbock

Dabei hatte alles so schön begonnen: Der ehemalige Pharmamanager von Novartis übernahm 2009 den Chefposten des Medienunternehmens. Sogleich machte er sich an die Sanierung: Er verkaufte unter anderem den Kostgänger N24 und baute das Online-Geschäft aus. 2016 dann der Gang an die Börse. Eine scheinbar erfreuliche Bilanz.

Und die will Ebeling bis zu seinem offiziellen Vertragsende 2019 nicht beschmutzt wissen. Dafür setzte er bei der Präsentation der Quartalzahlen am Donnerstag zum Rettungsversuch an: Mit einer neuen Strategie wollen man neue Investoren gewinnen. Vorstellbar sei eine Umstrukturierung in nur noch drei große Geschäftsbereiche und die Öffnung des digitalen Marktes für Investoren.

Ein neuer Plan muss her

Damit reagiert Ebeling auf Kritik der Anleger: Die hatten zuletzt bemängelt, in den Zukäufen im Online-Bereich keine Strategie zu erkennen. So hatte der Konzern 2015 das Online-Reisebüro “Etraveli“ gekauft und es im Juni 2017 wieder verkauft. Der Erlös von rund 508 Millionen sollte in die Geschäftsbereiche Digital Entertainment, Commerce und Content Production fließen.

Doch die alten Probleme bleiben: Das Programm ist auf ein junges Publikum ausgerichtet. Aber gerade das wandert zusehends zu den Streaming-Diensten Netflix und Amazon Prime ab. Zwar bietet ProSiebenSat.1 mit "Maxdome" ein eigene Online-Videothek an. Doch der Streaming-Dienst benötigt eine Neuauflage - und die kostet.

Folglich floppten die Formate der Sendergruppe und die Marktanteile sanken. Gleichzeitig verringerten sich die Werbeinnahmen, da einige Werbepartner ihre Budgets kürzten. Für den Dax-Konzern verringern sich so Umsatz und Gewinn. Eine erneute Umstrukturierung bleibt demnach wohl unausweichlich. Doch wie wird der Sanierer heißen?

jz