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Führungschaos bei Siemens Muss auch Cromme gehen?

Stand: 29.07.2013, 08:26 Uhr

Noch gibt sich Siemens-Chef Peter Löscher nicht geschlagen. Er knüpft sein Schicksal an das seines früheren Mentors Gerhard Cromme. Muss nun auch der ebenfalls in der Kritik stehende Aufsichtsrat gehen?

Siemsne-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nach Angaben aus Konzernkreisen will Löscher nur dann sein Amt aufgeben, wenn auch der Aufsichtsratsvorsitzende Cromme zurücktritt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Cromme denke jedoch nicht daran, seinen Posten zu räumen, heißt es.

Er war erst im Januar dieses Jahres wiedergewählt worden und hatte dafür eigens die Altersgrenze für Aufsichtsräte von 70 Jahren gekippt, um damit die Voraussetzung für seine zweite Amtszeit zu schaffen. Im Februar 2013 ist Cromme 70 Jahre alt geworden. Nach der alten Regelung hätte er im Januar abtreten müssen.

Kein Ruhmesblatt

Kein Ruhmesblatt für den einstigen Vorsitzenden der Corporate-Governance-Kommission. Hatte er doch in dieser Zeit selbst für eine Altergrenze bei Aufsichtsräten von 65 Jahren plädiert. Bei seiner Wiederwahl im Januar - Cromme leitet den Siemens-Aufsichtsrat seit 2007 - galt es deshalb als ausgemacht, dass der Manager vor Vollendung seiner regulären Amtszeit im Januar 2017 zurücktritt.

Als Nachfolger wurde bereits Josef Ackermann, der frühere Deutsche Bank-Chef, ins Gespräch gebracht - bis dieser offiziell absagte. Im Frühjahr bezeichnete er die Spekulationen als "frei erfunden".

Image angekratzt

Nach dem Rauswurf Löschers flammen die Spekulationen über einen früheren Abgang Crommes erneut auf. Dessen Image ist vor allem durch das Missmanagement beim Mischkonzern ThyssenKrupp angekratzt. Im März hatte Cromme dann angekündigt, sich vollständig aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

Cromme galt lange Zeit als Vertrauter von Firmenpatriarch und Stiftungschef Berthold Beitz (99). Nach Crommes Rückzug sagte Beitz jedoch: "Über Jahre habe ich gehört, bald werde alles besser, aber es wurde immer schlimmer. Ich musste einfach handeln", sagte er.

Ende einer Ära

Nun wird auch bei Siemens über das Ende der Ära Cromme spekuliert. Denn auch in München begleitete Cromme Fehlentscheidungen und nickte schlechte Zukäufe ab. Zudem hat er einer Vertragsverlängerung von Löscher zugestimmt, obwohl der offensichtlich keine klare Zukunftsstrategie für das Unternehmen präsentieren konnte.

Dass das Schicksal Crommes eng an das Löschers gebunden ist, beweist auch ein Blick in die Vergangenheit: Auf der Suche nach einem Nachfolger für den früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte er den unbelasteten Peter Löscher an die Siemens-Spitze geholt. Lange Zeit galt der Chefkontrolleur deshalb als Löschers wichtigster Fürsprecher.

lg