Steinhoff Möbel Lager
Audio

Hohes Ausfallrisiko Moody's zweifelt an Steinhoffs Finanzkraft

Stand: 28.12.2017, 13:27 Uhr

Die Ratingagentur Moody's hegt zunehmend Zweifel an der Finanzkraft der Poco-Mutter Steinhoff. Die Bonitätswächter senkten das Rating des deutsch-südafrikanischen Möbelkonzerns deutlich. Eine weitere Herabstufung ist nicht ausgeschlossen. Trotzdem steigt die Aktie.

Im MDax gehört das Steinhoff-Papier mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent auf 31 Cent zu den stärksten Werten. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Steinhoff damit immer noch rund 90 Prozent weniger als zu Monatsbeginn kosten. Noch im Mai dieses Jahres lagen die Titel bei mehr als 5,00 Euro. Angesichts der existenzbedrohlichen Krise, in der sich das Unternehmen derzeit befindet, ist die Investition sowohl in die Aktie als auch in die Anleihen mit hohen Risiken verbunden und sehr spekulativ.

Moody’s warnt    

Für ein äußerst riskantes Investment halten die Experten von Moody's auch die Anleihen von Steinhoff. Sie senkten das Rating um drei Stufen auf "Caa1" und prüfen eine weitere Herabstufung. Damit sehen sie ein hohes Ausfallrisiko bei den Krediten. Die Liquidität könnte schon bald nicht mehr ausreichen, um das Europageschäft am Laufen zu halten, warnte Moody's.

Für den von einem Bilanzskandal erschütterten Konzern könne es angesichts der laufenden Untersuchungen schwierig werden, fällig werdende Schulden zu refinanzieren oder zurückzuzahlen. Nach Konzernangaben zogen Gläubiger in den vergangenen Wochen zunehmend Kreditlinien zurück oder setzten sie aus.

Rating-Tabelle

Rating-Tabelle. | Bildquelle: Börse Stuttgart

Milliardenschulden bei den Banken

Katzenberger-Aufsteller in einem Poco-Laden

Katzenberger-Aufsteller in einem Poco-Laden. | Bildquelle: Poco

Gegen Steinhoff laufen in Deutschland bereits seit zwei Jahren Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen. Wegen der Vorwürfe hatte der Möbelkonzern zuletzt die Veröffentlichung von Geschäftszahlen verschoben und seine Bilanz 2016 mit der Begründung zurückgezogen, dass die Zahlen nicht mehr zuverlässig seien. Laut der bisherigen Bilanz 2016 steht Steinhoff mit über 16 Milliarden Euro bei Banken in der Kreide.

Steinhoff, die in den vergangenen Jahren weltweit auf eine milliardenschwere Einkaufstour von Österreich bis Australien gegangen war, gilt als der zweitgrößte Möbelhändler der Welt hinter Ikea. Wegen der komplexen Struktur nach den zahlreichen Übernahmen der vergangenen Jahre sei es schwierig, die Kreditwürdigkeit des Konzerns zu bewerten, erklärte Moody's.

ts/dpa/rtr