Fashionette wagt Sprung aufs Parkett Mit Luxushandtaschen an die Börse

von Notker Blechner

Stand: 29.10.2020, 10:48 Uhr

Luxus geht immer – auch in der Corona-Krise. Mehrere große Markenhersteller spüren wieder anziehende Umsätze. Vor allem im Internet wächst das Geschäft mit edlen Handtaschen und teurer Mode. Von diesem Trend profitiert der Online-Händler Fashionette, der heute an die Börse gegangen ist.

Covid-19 hat die Lust auf Luxusprodukte offenbar kaum gebremst. Laut einer Umfrage der UBS haben seit März ein Viertel der Italiener, 30 Prozent der Chinesen und gar 40 Prozent der Franzosen ihre Ausgaben für die teuren Konsumgüter gesteigert. Weil sie nicht mehr oder kaum noch reisen können, stecken einige Bürger offenbar ihr Geld nun in teure Mode oder edle Handtaschen.

Geld für Luxus statt für Reisen

Mehrere Luxusgüterhersteller berichteten jüngst über eine Normalisierung ihrer Geschäfte. LVMH verzeichnete im dritten Quartal zwar noch rückläufige Umsätze, verzeichnete aber bei Lederwaren und Mode zweistellige Zuwachsraten. Und Marken wie Hermès und Bottega Veneta haben die Corona-Delle inzwischen wettgemacht und stehen besser da als im Vorjahr.

Hermès Birkin

Hermès Birkin. | Bildquelle: Unternehmen

Zu den begehrten Objekten zählen die Luxushandtaschen, allen voran die Birkin Bag von Hermès. Deren Wert hat sich seit 2019 um gut 42 Prozent erhöht. Da passt es ins Bild, dass mehrere Luxuslabels mitten im Corona-Jahr die Preise für ihre edlen Handtaschen erhöht haben. Chanel kündigte für ausgewählte Produkte Anhebungen von fünf bis 17 Prozent an. Einzelne Gucci-Modelle sollen sich um fünf bis neun Prozent verteuert haben. Und auch die italienische Edelkette Salvatore Ferragamo hat Preiserhöhungen von bis sieben Prozent angekündigt.

Shopping verlagert sich ins Internet

Zunehmend verlagert sich das Geschäft ins Internet. Schon jetzt kaufen 15 Prozent der deutschen Frauen überwiegend online ihr Handtäschchen, hat Frank-Michael Müller vom Marktforschungsunternehmen Responsio in einer Studie ermittelt.

Nach Einschätzung der Bank of America wird sich der Online-Markt für Luxusgüter bis 2025 fast verdreifachen – auf 95 Milliarden Dollar. 2019 hatte er ein Volumen von 35 Milliarden Dollar. Mehrere Online-Anbieter buhlen um die kaufkräftige Zielgruppe. Plattformen mit blumigen Namen wie Luisa Via Roma, Net-à-Porter von Richemont und Farfetch bieten Produkte von hunderten Marken an. Nun mischt auch noch Amazon im Markt mit. Der Online-Riese hat kürzlich eine Plattform namens Luxury Stores eröffnet. Bisher zählt sie jedoch gerade erst zwölf Marken.

Fashionette zählt beim Handtaschen-Online-Kauf zur ersten Wahl

Im Bereich Luxushandtaschen sieht sich die Düsseldorfer Fashionette als führende Adresse - zumindest in Deutschland. Wie das Unternehmen in einer Umfrage herausfand, würden 37 Prozent der befragten deutschen Frauen in Betracht ziehen, bei Fashionette eine Designer-Handtasche zu kaufen. 15 Prozent würden es über Net-à-Porter tun, 14 Prozent über Mytheresa.

Das Unternehmen hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 62 Millionen Euro mit Designer-Handtaschen, Schuhen und anderen Mode-Accessoires umgesetzt und schreibt operativ schwarze Zahlen. 2019 erzielten die Düsseldorfer einen Umsatz von gut 73 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 6,8 Millionen Euro.

Expansion nach Europa

Heute hat Fashionette in einem schwierigen Umfeld den Gang an die Börse gewagt. Mit dem frischem Geld will der Handtaschen-Händler verstärkt in Europa expandieren. Ziel sei, die führende Online-Plattform für Premium- und Luxus-Modeaccessoires auf dem Kontinent zu werden, sagt das Unternehmen. "Der Börsengang ist für uns der nächste logische Schritt, um unsere Marke noch bekannter zu machen und unser Geschäftsmodell auf andere europäische Länder auszuweiten", erklärt Fashionette-Chef Daniel Raab.


Zudem will der bisherige Hauptaktionär Genui Fund einen Teil seiner Anteile bei dem Börsengang veräußern. Zu den Gründern von Genui gehören der Fressnapf-Gründer Torsten Toeller und Andreas Jacobs aus der Hamburger Kaffee-Dynastie. Der Investor ist unter anderem an dem Online-Müslihersteller mymuesli, dem Computertastatur-Hersteller Cherry und am Reiseveranstalter Berge & Meer beteiligt.

Luxusmarkt in Turbulenzen

Die Nachholeffekte seit Juni und die guten Geschäfte mit Luxuswaren im Internet sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der gesamte Luxusmarkt 2020 erheblich schrumpfen wird. Er dürfte um 20 bis 35 Prozent zusammenbrechen, prophezeien die Unternehmensberatung Bain und der italienische Luxusgüterverband Fondazione Altagamma. Bestenfalls dürfte die Branche also einen Umsatz von 225 Milliarden Euro erzielen. Die Erholung werde nur langsam stattfinden, glauben die Experten von Bain. Frühestens 2022 werde das Niveau von 2019 wieder erreicht, mutmaßen sie. Die zweite Welle und der neuerliche Lockdown könnten die Kauflust wieder dämpfen.