Schweizerische Nationalbank in Bern

Starker Franken, schwache Aktien und billigeres Gold Millardenverluste bei der Schweizer Nationalbank

Stand: 31.10.2018, 14:34 Uhr

Im vergangenen Jahr heimste die börsennotierte Schweizer Nationalbank (SNB) einen Gewinn von 54 Milliarden Franken ein. Das wird sie 2018 wohl nicht noch einmal schaffen. Im dritten Quartal brockte ihr der stärkere Franken Milliardenverluste ein.

Die eidgenössische Notenbank steht und fällt mit der heimischen Währung. Wertet der Franken ab, macht die SNB Milliardengewinne. Wertet der Franken auf, macht sie Milliardenverluste.

Leidtragender des stärkeren Frankens

Letzteres war im dritten Quartal der Fall. Der Schweizer Franken stieg von Juli bis Ende September um rund 1,5 Prozent zum Euro - unter anderem wegen des Streits um das italienische Haushaltsbudget. Ein Euro verbilligte sich von 1,1564 auf 1,1387 Franken. Auch gegenüber dem Dollar wertete der Franken auf.

Prompt fiel ein riesiger Verlust für die Schweizer Nationalbank an. Von Juli bis September stand unter dem Strich ein Minus von 12,94 Milliarden Franken. Bei der Umrechnung in Franken war das Devisenportfolio der SNB weniger wert.

Goldanlagen verlieren an Wert

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Ein weiterer Grund für den Milliarden-Verlust der Notenbank war der sinkende Goldpreis. Das gelbe Edelmetall büßte im dritten Quartal gut vier Prozent ein und sackte auf 1.203 Dollar je Feinunze. Das schmälerte den Wert der Goldanlagen der SNB.

Manche vergleichen die Schweizer Notenbank mit einem riesigen Hedgefonds. Tatsächlich hat die SNB ein Devisenportfolio aufgebaut, das per Ende September ein unglaubliches Volumen von 763 Milliarden Franken erreichte. Hintergrund sind die umfangreichen Fremdwährungskäufe, mit denen die SNB den Franken künstlich geschwächt hat, um die exportorientierte Wirtschaft zu stützen. Mit den Milliarden investierten die Währungshüter auch in Aktien.

Diese brachten in diesem Jahr wenig Rendite. Bislang steht 2018 unterm Strich ein Verlust von 7,83 Milliarden Franken zu Buche. Damit dürfte die SNB das gute Ergebnis von 2017 wohl nicht wiederholen, als sie einen Gewinn von 54 Milliarden Franken einfuhr.

Aktie auf Berg- und Talfahrt

Die Aktie der SNB verliert am Mittwoch rund ein Prozent an der Schweizer Börse Six. Auf Tradegate geht es gut drei Prozent abwärts - bei extrem dünnen Umsätzen. Auf Mehrmonatssicht bleibt das Papier aber ein Überflieger. Seit Jahresbeginn hat der Notenbank-Titel gut 46 Prozent zugelegt. Zeitweise wurde mit 8.120 Euro ein neues Rekordhoch markiert, bevor die Aktie wieder deutlich nachgab.

Ein Grund für die Achterbahnfahrt der Aktie könnte Großaktionär Theo Siegert sein. Der Deutsche, der zuletzt größter Einzelaktionär der Notenbank war, hat 2017 erstmals seit 2008 ein paar seiner Aktien verkauft. Laut Geschäftsbericht reduzierte er seinen Anteil von 6,7 auf 6,1 Prozent. Damit ist der Kanton Bern nun wieder größter Einzelaktionär mit 6,6 Prozent.

"Sicherer Hafen" für Anleger

Der Verkauf der Siegert-Anteile könnte mehr Spekulanten angelockt haben, mutmaßen die Medien. Zumal gerade deutsche Investoren in jüngster Zeit die SNB-Aktie entdeckt haben, die ihr Vermögen im Ausland diversifizieren wollen - und einen Ersatz für Gold sowie Anleihen suchen. Ein Börsenbrief verglich das Papier mit der seltenen Briefmarke "Blaue Mauritius".

Die SNB-Aktien sind die "Kronjuwelen" der Schweiz. Es gibt nur 100.000 Aktien, davon sind über die Hälfte in fester öffentlich-rechtlicher Hand. Etwa 7.000 Aktien befinden sich bei dem oben genannten deutschen Privataktionär. Somit gibt es nur 40.000 verfügbare Aktien.

Hoffnung auf mehr Dividende

Zudem halten sich hartnäckig Spekulationen auf eine höhere Ausschüttungsquote. Investoren hätten Hoffnungen, dass dereinst das Nationalbankgesetz geändert wird, damit die Aktionäre einen höheren Anteil am Gewinn erhalten. Bisher freilich ist die Ausschüttung klar im Nationalbank-Gesetz geregelt. Die Dividende darf maximal bei 15 Franken pro Titel liegen.

Experten halten die SNB für extrem unterbewertet. Da der Bund die Bundesbank mit sechs Milliarden Euro bilanziert, müsste der Schweizer Bund die SNB mit 110 Milliarden Euro bewerten. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung jedoch gerade mal 538 Millionen Euro.

nb