Steinhoff Möbel Lager in Westerstede

Im Geschäftsjahr 2017/18 Steinhoff bleibt ein Milliardengrab

Stand: 19.06.2019, 07:15 Uhr

Dem Einzelhandelskonzern Steinhoff steht das Wasser weiter bis zum Hals. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 beliefen sich die Verluste erneut auf über eine Milliarde Euro. Die Aktie stürzt noch weiter ab.

Im außerbörslichen Handel auf Tradegate verlor die im SDax notierte Aktie mehr als zehn Prozent. Dabei ist der Wert des für seine Billigmöbelhäuser wie Poco bekannten Unternehmens auf nur noch 362 Millionen Euro geschrumpft. Gleichzeitig vermeldete die in Südafrika sitzende Firma für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro, nach einem Minus von fast vier Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der Konzern schrieb Vermögenswerte bei seinen Töchtern im Wert von 940 Millionen Euro ab.

Erst Anfang Mai hatte Steinhoff mit fast eineinhalb Jahren Verspätung die Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/17 (bis Ende September) inklusive korrigierter Zahlen für das Vorjahr vorgestellt. Steinhoff hatte Ende 2017 seine Bilanzprobleme öffentlich gemacht. Dabei geht es laut den Ergebnissen der anschließend eingesetzten Prüfer vor allem um künstlich aufgeblähte Buchungen und zahlreiche Transaktionen, die in Wirklichkeit nie stattgefunden haben.

Fiktive Buchungen im Wert von 6,5 Milliarden Euro

Im Zuge der Aufarbeitung des Bilanzskandals musste Steinhoff den Wert seiner Geschäfte allein für das Jahr 2016 um mehr als elf Milliarden Euro nach unten korrigieren. Der Löwenanteil der Berichtigungen ist Unregelmäßigkeiten geschuldet, die die Prüfer auf die Zeit vor Mitte 2015 datieren. Für das Jahr 2017 kamen dann noch andere Abschreibungen von mehr 3,9 Milliarden Euro hinzu.

Im Mittelpunkt des Skandals steht wohl der ehemalige Konzernchef Markus Jooste sowie eine kleine Gruppe weiterer Manager. Insgesamt identifizierten die Wirtschaftsprüfer von PwC solche irregulären Einkünfte und fiktiven Buchungen im Wert von 6,5 Milliarden Euro, die bis in das Jahr 2009 zurückreichen. Darin verwickelt waren diverse Konzerngesellschaften sowie außen stehende Unternehmen.

Untersuchungen dauern an

Die Untersuchungen des Konzerns dauerten an, teilte Steinhoff jetzt mit. Viele Beschuldigte haben sich bislang einer Befragung verweigert. Jooste selbst beteuerte im vergangenen Jahr unter Eid vor dem Parlament in Südafrika seine Unschuld. In Deutschland ist der Bilanzskandal Gegenstand einer Sammelklage beim Oberlandesgericht Frankfurt.

Markus Jooste

Markus Jooste. | Bildquelle: Imago

Steinhoff war durch zahlreiche Übernahmen in den vergangenen Jahren zu einem Weltkonzern herangewachsen, in der Krise hatte sich das Unternehmen aber bereits von einigen Beteiligungen getrennt - so wurde etwa der zum Konzern gehörende deutsche Möbelhändler Poco an Andreas Seifert verkauft, den Mitinhaber der österreichischen Möbelkette XXXLutz.

Kann der Konzern überleben?

Bereits der Börsengang von Steinhoff an der Frankfurter Wertpapierbörse im Dezember 2015 verlief holprig. Denn schon damals gab es einen Verdacht wegen angeblich überhöhter Umsätze. Der erste Kurs wurde damals bei 5,00 Euro ermittelt - großartig hohe Sprünge waren für das Papier auch in den beiden Folgejahren nicht drin. Zuletzt schmolz der Wert einer Aktie auf acht Cent zusammen.

Nach der mühsamen Aufarbeitung seines Bilanzskandals hofft der Konzern mit rund 120.000 Mitarbeitern derzeit auf grünes Licht für seinen Restrukturierungsplan für sein Europa-Geschäft. Steinhoff hatte mit seinen Gläubigern zuletzt immer wieder neue Fristen ausgehandelt, bis zu denen bestimmte Schritte umgesetzt werden müssen, damit die Restrukturierung endlich umgesetzt werden kann.

Grünes Licht bis Ende Juni erwartet

Zuletzt wurde die Frist bis Ende Juni verlängert. Zu den 40 Marken in mehr als 30 Ländern gehören etwa der US-Bettenverkäufer Mattress Firm, den Steinhoff noch 2016 für fast vier Milliarden Dollar zugekauft hat. Gut die Hälfte der Anteile wurden inzwischen wieder verkauft. Im vergangenen Oktober hatte Mattress Firm zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet und steckt nun in der Sanierung.

In Frankreich gehört die Möbel- und Baumarktkette Conforama zum Steinhoff-Universum, sowie in Großbritannien etwa der Discounter Poundland. Steinhoff kündigte an, dass auch in diesem Jahr einige Verkäufe folgen könnten.

lg/dpa-afx