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Bis zu 6,2 Milliarden Euro Milliardendeal: Alstom kauft Bombardier-Zugsparte

Stand: 17.02.2020, 19:05 Uhr

Was sich zuletzt bereits abzeichnete, wurde am Abend bestätigt. Der französische Siemens-Rivale Alstom übernimmt für bis zu 6,2 Milliarden Euro die Zugsparte von Bombardier. Ein Branchenriese entsteht.

Alstom übernimmt die in Berlin ansässige Zugsparte des kanadischen Konzerns Bombardier. Der Vereinbarung zufolge liegt der Kaufpreis zwischen 5,8 und 6,2 Milliarden Euro in bar und in Aktien. Er werde beim Abschluss der Transaktion festgelegt, die im ersten Halbjahr 2021 erwartet werde. Die kartellrechtlichen Hürden gelten jedoch als hoch.

Die Zug-Sparte gilt als wertvollster Teil von Bombardier, auch wenn sie mit operativen Schwierigkeiten kämpft, die das Unternehmen vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatten. Auch mit Aufträgen für die Deutsche Bahn gibt es Ärger. Doch mit der Übernahme könne Alstom seinen Auftragsbestand 75 Milliarden Dollar erhöhen und seine Präsenz auf dem Weltmarkt ausbauen, begründeten die Franzosen die Übernahme.

Der mit fast zehn Milliarden Dollar verschuldete Bombardier-Konzern hatte in der vergangenen Woche die restlichen Anteile an seinem ehemaligen Verkehrsflugzeugprogramm, dem heutigen Airbus A220, an den Partner Airbus abgegeben und sich damit von finanziellen Verpflichtungen befreit. Mit dem Verkauf der Zug-Sparte bleibt Bombardier dann nur noch die Produktion von "Learjet"-Geschäftsflugzeugen.

Kartellbehörden sind die große Unbekannte

Die drei großen westlichen Bahntechnik-Hersteller Alstom, Siemens und Bombardier ringen seit Jahren um Zusammenschlüsse, weil sie fürchten, dass sie der chinesische Eisenbahngigant CRRC bald auch auf ihren heimischen Märkten überrollt. CRRC drängt auch nach Europa, hat dort aber bisher kaum Fuß gefasst.

Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte einer Fusion von Alstom mit Siemens Mobility deshalb vor einem Jahr eine Absage erteilt. Ein Gegenangebot aus München für einen der beiden Fusionspartner sei deshalb nicht zu erwarten, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person. Vor Alstom hatte Siemens Insidern zufolge 2017 auch mit Bombardier intensiv verhandelt.

Die IG Metall geht davon aus, dass Alstom und Bombardier in Brüssel auf die gleichen Hürden stoßen wie Siemens und Alstom. Die Fusion sei kartellrechtlich nicht anders zu bewerten, hatte die Gewerkschaft bereits am Freitag erklärt. Bei Signaltechnik und bei Hochgeschwindigkeitszügen wie ICE und TGV, wo sich die EU an der Stellung von Siemens und Alstom gestoßen hatte, wären Alstom und Bombardier zwar weniger dominierend, sie kämen aber bei Regionalzügen auf deutlich mehr Marktanteile.

Neuer Großaktionär von Alstom wird der französische Pensionsfonds Caisse de dépôt et placement aus Quebec (CDPQ), dem bisher 32,5 Prozent der Anteile an der Bombardier-Sparte gehören. Er hatte dem kanadischen Konzern vor einigen Jahren mit einer Kapitalspritze aus der Klemme geholfen. Der Fonds will seine Beteiligung an die Franzosen abgeben und wird künftig mit 18 Prozent größter Anteilseigner von Alstom. CDPQ werde seinen Erlös von zwei Milliarden Euro aus dem Verkauf in Bombardier reinvestieren und weitere 0,7 Milliarden Euro in Alstom schießen, erklärten die Franzosen.

Alstom-Aktie so hoch wie seit 2008 nicht mehr

An der Börse war bei den Anlegern der Funke schon im Vorfeld der Ankündigung übergesprungen. Die Aktie schloss letztlich in Paris bei 50,68 Euro, ein Aufschlag von 3,50 Prozent. Es war der höchste Kurs seit dem Jahr 2008. Bombardier Papiere legten in Frankfurt über zwei Prozent zu. Siemens stiegen im Dax 1,14 Prozent auf 107,88 Euro.

rtr/rm