Türme der Deutschen Bank vor dunklem Himmel
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Deutsche Bank im Visier Politikerschelte wegen Milliardenboni

Stand: 29.01.2018, 08:41 Uhr

Am kommenden Freitag wird die Deutsche Bank ihre Jahreszahlen vorstellen. Für Ärger sorgt bereits jetzt die Entscheidung, den Investmentbankern milliardenschwere Boni zu zahlen.

SPD-Chef Martin Schulz sagte der "Bild"-Zeitung (Montag): "Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs. Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft." Diese lebe von Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, sagte dem Blatt: "Millionen-Boni trotz Verlusten widersprechen jeglichem Gerechtigkeitsempfinden. CDU-Sozialexperte Matthias Zimmer sagte ebenfalls in der "Bild"-Zeitung: Die Boni seien "eine eigenwillige Interpretation des Grundsatzes, dass sich Leistung lohnen soll". Weiter sagte er: "Man kann die Legitimität einer Wirtschaftsordnung durch solche Praktiken gefährden."

Am Freitag ist Bilanztag

Die Deutsche Bank will einem Zeitungsbericht zufolge für 2017 trotz roter Zahlen mehr als eine Milliarde Euro Boni zahlen. Im Vorstand des Geldhauses habe es darüber eine kontroverse Debatte gegeben, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf einen hochrangigen Banker. Am Ende hätten sich die Investmentbanker mit dem Argument durchgesetzt, dass bei erneuten Bonuskürzungen die besten Leute gegangen wären. Die Deutsche Bank ließ den Bericht unkommentiert.

Die Bonuszahlungen waren bei Deutschlands größtem Kreditinstitut von 2,4 Milliarden Euro 2015 auf 500 Millionen Euro im Jahr darauf zurückgegangen. Konzernchef John Cryan verteidigte zuletzt die stärkere Rückkehr zur variablen Vergütung, obwohl das Geldhaus zu Jahresanfang bekanntgegeben hatte, 2017 zum dritten Mal in Folge keinen Jahresgewinn verbucht zu haben. Die genaue Bilanz will die Bank am Freitag vorlegen.

Droht die Zerschlagung?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für Unmut sorgen auch die anhaltenden Probleme der Bank. Fondsmanager Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment sagte der "Welt am Sonntag": "Falls in ein paar Jahren die Erträge noch immer nicht sprudeln, könnte auch das heute noch Undenkbare eintreten: Die Zerschlagung der Bank und Verschmelzung mit anderen europäischen Großbanken".

Die Amerikaner hätten der Deutschen Bank viel Geschäft weggenommen. Er setze alle Hoffnungen darauf, dass das Frankfurter Geldhaus zumindest einen Teil der Marktanteile zurückgewinnt und das Ertragswachstum wieder anspringt. "Die Bank muss ihre Kunden zurückgewinnen, nur dann fließen wieder die Erträge und sie schafft es aus der Krise", sagt Speich. Es reiche nicht, nur intern aufzuräumen und die Kosten zu senken. Dem amtierenden Institutschef John Cryan stärkte Speich den Rücken: "Cryan muss bleiben, bis die Sanierung abgeschlossen ist", forderte er.

Millionenstrafe wegen Marktmanipulation

Deutsche Bank-Chef John Cryan

Deutsche Bank-Chef John Cryan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Außerdem wird berichtet, dass die US-Derivateaufsicht CFTC nach Informationen von Insidern der Deutschen Bank eine Millionenstrafe wegen angeblicher Manipulation an den amerikanischen Terminmärkten auferlegen wolle. Auch die Schweizer Bank UBS und das britische Finanzinstitut HSBC sollten mit einer Geldbuße belegt werden, werden drei mit der Angelegenheit vertraute Personen zitiert. An den Ermittlungen, die über ein Jahr dauerten, hätten sich auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI beteiligt.

Die Strafen für Deutsche Bank und UBS dürften jeweils über zehn Millionen Dollar betragen, die Geldbuße für die HSBC dürfte knapp darunter bleiben. Eine genaue Höhe der geplanten Strafzahlungen wurde zunächst nicht bekannt. Sprecher für Deutsche Bank, UBS und HSBC wollten sich nicht dazu äußern.

rtr/ts/lg