Zentrale der Bayer AG in Leverkusen

Glyphosat-Einigung belastet Milliardenverlust bei Bayer

Stand: 04.08.2020, 08:06 Uhr

Hohe Rückstellungen für die Beilegung des Glyphosat-Streits haben den Chemie- und Pharmakonzern im zweiten Quartal tief in die Verlustzone geführt. Doch der Vergleich steht auf wackeligen Füßen, und im Kerngeschäft belastet die Corona-Krise.

Die Bayer-Aktie wird auch in den kommenden Wochen keinen leichten Stand haben. Am Dienstag startete der Titel zwei Prozent im Minus in den Handel im Dax. Der Titel bleibt im Dax weiterhin ein Nachzügler und weist als einziger Titel neben Wirecard auf Sicht von drei Monaten noch eine negative Kursbilanz aus.

Milliarden für Glyphosat-Vergleich

Auch in der Geschäftsbilanz sieht es wenig ermutigend aus. Die angestrebte Einigung im US-Glyphosatstreit hat Bayer im zweiten Quartal einen Milliardenverlust eingebrockt. Wegen Sonderaufwendungen in Höhe von 12,5 Milliarden Euro insbesondere für eine Glyphosat-Einigung, aber auch andere Rechtsstreitigkeiten fiel unter dem Strich ein Minus von 9,5 Milliarden Euro an. Vor einem Jahr war ein noch ein Plus von rund 400 Millionen Euro erzielt worden.

Im Tagesgeschäft stützte die Agrarsparte mit ihrem Saatgut und Pflanzenschutzmittel, während die Corona-Krise Teile des Pharmageschäfts belastete. So wurden viele nicht notwendige Behandlungen verschoben oder Patienten trauten sich nicht in die Krankenhäuser. Im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten hielten sich die Kunden auch ein wenig zurück. Das lag aber vor allem daran, dass sich der Handel im ersten Quartal wegen der Corona-Pandemie schon reichlich eingedeckt hatte und nun erst einmal die Lagerbestände abbauen muss.

Umsatz schlechter, Ergebnis besser

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Der Konzernumsatz fiel im zweiten Quartal um 6,2 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro. Aus eigener Kraft - also Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet - war es ein Minus von 2,5 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten stieg auch dank Kostensenkungen im Zusammenhang mit der Integration von Monsanto um 5,6 Prozent auf 2,88 Milliarden Euro. Während der Umsatz hinter den durchschnittlichen Analystenschätzungen zurückblieb, lag das Ebitda leicht darüber.

Die Glyphosat-Krise ist für Bayer wohl noch lange nicht zu Ende. Ende Juni hatte das Unternehmen zwar bekanntgegeben, sich im Rechtsstreit wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Roundup mit einem Großteil der Kläger geeinigt zu haben. Für den Vergleich und mögliche künftige Fälle werden insgesamt bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig.

Glyphosat-haltiges Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup

Unkrautvernichtungsmittel Roundup. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Die Klagewelle hatte sich Bayer mit der rund 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt. Doch der Vergleich steht allerdings auf der Kippe: Der Bundesrichter Vince Chhabria äußerte Anfang Juli Bedenken gegen Teile des Vergleichs. Die Streitparteien beschlossen daraufhin, ihren Antrag zurückzuziehen, um sich umfassend mit den Fragen des Gerichts befassen zu können. Zwei Wochen später musste Bayer dann eine Niederlage einstecken: Ein Berufungsgericht in Kalifornien bestätigte den Zusammenhang zwischen Roundup und der Krebserkrankung eines Klägers. Bayer prüft die Revision. 

Ausblick eingetrübt

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz

ARD-Börse: Dunkle Wolke Glyphosat - Bayer unter Druck

Bayer blickt aber auch wegen der Probleme im Tagesgeschäft nun vorsichtiger auf das laufende Jahr. Für das laufende Jahr peilt das Management nun vor Wechselkurseffekten sowie dem Zu- und Verkauf von Unternehmensteilen ein Umsatzwachstum von 0 bis einem Prozent an auf 43 bis 44 Milliarden Euro. Bisher waren 44 bis 45 Milliarden Euro geplant. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen sollen davon weiterhin etwa 28 Prozent hängen bleiben, womit sich ein operatives Ergebnis von etwa 12,1 Milliarden Euro ergebe, wie Bayer am Dienstag in Leverkusen mitteilte. Bislang waren hier 12,3 bis 12,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.

AB