Michelin Rennreifen, Le Mans (Quelle: pa/dpa)

Skeptische Aussagen zum Gesamtmarkt Michelin bremst Reifenbranche aus

Stand: 19.10.2018, 09:05 Uhr

Die abflauende Autokonjunktur in China und die neuen Abgastest-Vorschriften machen auch den Reifenherstellern zu schaffen. Michelin hat seine Prognose für den Reifenmarkt gesenkt. Die Aktien sacken ab - und ziehen Rivale Conti mit nach unten.

Auf der Pariser Automesse vor zwei Wochen hatte sich der französische Reifen-Riese noch zuversichtlich für die gesamte Branche gezeigt und an seiner Wachstumsprognose festgehalten. Nun plötzlich rudert der Conti-Konkurrent zurück. Statt 1,5 Prozent werde der globale Autoreifenmarkt in diesem Jahr nur noch um 0,5 Prozent zulegen, warnte Michelin überraschend am Donnerstagabend.

Für den Lkw-Reifenmarkt geht Michelin sogar von einem Rückgang um 1,5 Prozent aus. Zuvor hatte das Unternehmen noch eine Zunahme um 0,5 Prozent erwartet. Im vierten Quartal dürften sich die Verkäufe abschwächen.

Bremsspuren in China und Europa

Die Marktentwicklung in China und Europa stimmt Michelin skeptisch. Die Nachfrage nach Michelin-Produkten sei in Westeuropa wegen der neuen WLTP-Abgastests gesunken, und in China belaste der schwächere Automarkt, erklärte das Unternehmen aus Clermont-Ferrand bei der Vorlage seiner Erlöse aus den ersten neun Monaten. Die deutlichen Preiserhöhungen als Reaktion auf den Währungsverfall in vielen Schwellenländern dürften die Nachfrage zusätzlich bremsen.

Zwar zogen im dritten Quartal die Verkäufe von Michelin um gut fünf Prozent an. Auf Sicht der ersten neun Monate bleibt aber ein Umsatzrückgang von 1,1 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro.

Reifen-Aktien fallen

Die Aussagen Michelins belasteten am Donnerstag die Aktienkurse der US-Reifenhersteller wie etwa Goodyear. Am Freitag rutschen die Titel von Michelin um über fünf Prozent ab - und ziehen auch die Papiere der europäischen Konkurrenten wie Conti mit nach unten. Sie verlieren zur Xetra-Eröffnung über zwei Prozent und sind Dax-Schlusslicht.

Kepler Cheuvreux senkte nach den Umsatzzahlen das Kursziel für Michelin von 145 auf 135 Euro. Dagegen beließ die US-Investmentbank Goldman Sachs die Einstufung für Michelin auf "Neutral" mit einem Kursziel von 126 Euro. Die Erlöse hätten die Konsensschätzung leicht übertroffen, schrieb Analystin Gungun Verma in einer am Freitag vorliegenden Studie. Auch die US-Bank JPMorgan stuft Michelin weiter auf "Overweight" mit einem Kursziel von 130 Euro ein. Dank eines besseren Preis-Mixes und besserer Resultate des zugekauften Industrieunternehmens Fenner habe der Reifenhersteller die Konsensschätzung leicht übertroffen, schrieb Analyst Jose Asumendi in einer Studie.

Pirelli sieht keine Abkühlung

Der italienische Konkurrent Pirelli teilt den skeptischen Jahresausblick Michelins nicht und distanzierte sich von den Aussagen der Franzosen. Vorstandschef Marco Tronchetti Provera bekräftigte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg seine Ergebnisziele und begründete dies mit einem starken chinesischen Markt. Er sehe auch keine Abkühlung, auch nicht im kommenden Jahr.

nb