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Schwierigkeiten beim Komplettverkauf Metro: Wird Real verschenkt?

Stand: 10.04.2019, 10:40 Uhr

Der geplante Verkauf der Supermarktkette Real ist offenbar ins Stocken geraten. Medienberichten zufolge könnte der Prozess sogar komplett scheitern. Metros Plan B: Den Betrieb getrennt verkaufen und die Supermarktkette verschenken.

Eines der Konsortien ist laut der "Börsen-Zeitung" bereits aus dem Bieterverfahren um einen Gesamtverkauf ausgestiegen. Der Einzelhandelskonzern erwägt laut dem "Handelsblatt" deshalb nun doch einen getrennten Verkauf des Betriebs der Supermarktkette und der Immobilien.

Real-Markt in Köln

Real-Markt in Köln. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Parallel zu Gesprächen mit Investoren-Konsortien über den eigentlich angestrebten Gesamtverkauf Reals inklusive der Immobilien verhandele Metro daher mit dem Einkaufsverbund Markant darüber, nur den Betrieb abzugeben. Das berichtet zumindest das "Handelsblatt" unter Berufung auf Verhandlungskreise am Mittwoch.

Das Kuriose: Weil Real seit Jahren defizitär ist, würde Metro seine Tochter nicht nur verschenken, sondern gar Geld drauflegen, wenn Markant Real ohne die Immobilien übernimmt. Der Kaufpreis liege zwar bei 99 Millionen Euro, der Konzern würde vor dem Verkauf aber Kapital in Höhe von 300 Millionen in das Geschäft einbringen.

"Projekt Cartagena"

Diese Alternative laufe bei Metro intern unter dem Namen "Projekt Cartagena". Aus den Unterlagen gehe hervor, dass Metro schätzt, mit der Kapitalspritze den Liquiditätsbedarf "für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren" abzudecken. Wolle Markant auch das digitale Geschäft real.de übernehmen, müsse er eine noch nicht verhandelte Summe zahlen. Im nächsten Schritt würden dann die Immobilien verkauft werden.

"Der Prozess des Verkaufs kommt jetzt in die heiße Phase. Die Gespräche sind konstruktiv, aber die Ergebnisse sind noch offen", sagte Metro-Chef Olaf Koch dem "Handelsblatt". Plan sei weiterhin, die Verträge bis Mai, spätestens Juni zu unterzeichnen.

Zu Handelsbeginn rutschte die im MDax gelistete Metro-Aktie an der Frankfurter Börse um drei Prozent nach unten. Zur Stunde liegt die Stammaktie noch mit rund 0,6 Prozent im Minus.

Redos-Gruppe ausgestiegen?

Vorstandsvorsitzender der Metro Group, Olaf Koch,

Olaf Koch. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Konzernchef Koch hatte im vergangenen Jahr angekündigt, Real verkaufen zu wollen. Er will den Handelsriesen ganz auf den Großhandel ausrichten. Insidern zufolge verhandelte Metro mit dem Immobilieninvestor X+Bricks sowie einem Konsortium der Redos-Gruppe, der auf Handelsimmobilien spezialisierten ECE und Morgan Stanley Real Estate. Im März hatte Koch noch bekräftigt, die Gespräche seien in die heiße Phase eingetreten und ein Verkauf im April oder Mai sei realistisch.

Das Konsortium um Redos habe sich nun aber aus dem Prozess verabschiedet, so die "Börsen-Zeitung". Metro habe darauf bestanden, dass der Käufer das kartellrechtliche Risiko vollständig übernehme, was das Konsortium aber abgelehnt habe. Zuletzt hatte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Metro, Werner Klockhaus, vor einer Zerschlagung von Real gewarnt, wenn die Supermarktkette komplett an einen Immobilieninvestor.

tb