Vorstandsvorsitzender der Metro Group, Olaf Koch,
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Metro-Chef Koch verkündet das "Ende des Konglomerats" Metro: Real so gut wie weg

Stand: 09.05.2019, 13:14 Uhr

Der Handelskonzern ist im zweiten Geschäftsquartal tief in die roten Zahlen gerutscht - wegen Abschreibungen bei der Supermarktkette Real. Die könnte Metro bald los sein.

Am Abend hatte Metro exklusive Verkaufsgespräche für Real mit dem Immobilienkonzern Redos angekündigt. Im Rahmen des fortgeschrittenen Prozesses schrieb der Konzern daraufhin 385 Millionen Euro ab. Aber auch im fortgeführten Geschäft ohne Real verzeichnete Metro einen Verlust. Unter dem Strich belief sich das Defizit auf 459 Millionen Euro.

Real-Markt in Köln

Real-Markt in Köln. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Metro-Chef Olaf Koch verteidigte deshalb die Notwendigkeit eines radikalen Umbaus des Handelskonzerns. Dazu gehöre auch der Verkauf der Supermarktkette Real, sagte er der "Wirtschaftswoche". "In einer Branche wie dem Handel, in der sich die Veränderungsdynamik immer weiter beschleunigt, ist Diversifikation Gift." Um erfolgreich und zukunftsfähig zu sein, "muss man sich sehr klar fokussieren. Genau das tun wir jetzt". 

Nur noch eine Restbeteiligung

Metro will Real als Ganzes an Redos verkaufen und zunächst mit 24,9 Prozent am operativen Geschäft beteiligt bleiben. Frühestens nach drei Jahren kann der Konzern sich von diesem Anteil trennen. Ziel ist ein Vertragsabschluss im Sommer.

In den vergangenen Jahren hatte Metro bereits die Warenhauskette Galeria Kaufhof verkauft und den Elektronikhändler Ceconomy (Media Markt und Saturn) abgespalten. "Das ist kein Niedergang, sondern das Ende des Konglomerats", sagte Koch der "Wirtschaftswoche". 

Sichtbare Schwächen

Metro sei lange Zeit von der Überzeugung geprägt gewesen, "dass Größe die wichtigste Dimension des Geschäfts ist", sagte Koch weiter. Irgendwann "wurden die Schwächen eines aufgeplusterten Konzerns sichtbar". Inzwischen habe sich das geändert. "Der Konzern ist ein anderer. Der Umbau war grundlegend, aber es lohnt sich." Die Perspektiven als reiner Großhändler seien "hervorragend".

Redos hatte angekündigt, Real im Kern erhalten zu wollen. Das Filialnetz soll aber neu ausgerichtet werden, kündigte Redos-Chef Oliver Herrmann an. "Bei Standortabgaben legen wir großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter übernommen werden." Das Thema einer Zerschlagung sei nicht vom Tisch, hieß es in Arbeitnehmerkreisen. Unter anderem Kaufland, Rewe und Edeka haben Interesse an Filialen angemeldet. Real hat derzeit knapp 280 Märkte und beschäftigt rund 34.000 Personen. Bis zum Sommer soll eine Einigung her.

lg/afp/dpa