Metro Cash&Carry in Vladikavkaz
Audio

Kurs sackt weiter ab Metro: Schockwellen aus Russland

Stand: 23.04.2018, 10:04 Uhr

Für die Aktionäre der Metro AG kommt es knüppeldick: Die andauernde Schwäche des Russland-Geschäfts schickt die Aktie am Morgen erneut auf Talfahrt. Damit hat das Papier seit Februar fast ein Drittel an Wert verloren.

Um knapp elf Prozent abwärts ging es bereits am Freitag, nachdem der Handelskonzern wegen der Flaute in Russland seine Jahresprognose gesenkt hat. Zu schaffen machten dem Konzern auch die gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft verdi bei der Supermarkttochter Real. Das Ergebnis im dritten und vierten Quartal werde dadurch belastet, teilte Metro mit.

Für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr 2017/18 erwartet der Konzern nun nur noch eine leichte Steigerung des bereinigten Ebitda statt einer Erhöhung um etwa zehn Prozent. Der Umsatz soll nun nur noch um mindestens 0,5 Prozent zulegen und nicht mehr um mindestens 1,1 Prozent. Enttäuschend sind auch die Zahlen für die erste Hälfte des laufenden Geschäftsjahres ausgefallen.

Danach sank der Umsatz von 18,61 Milliarden Euro im Vorjahr auf 18,56 Milliarden Euro. Flächenbereinigt legten die Erlöse um 1,3 Prozent zu. Das Ebitda ohne Immobiliengeschäfte sank auf 760 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Metro noch einschließlich dieser Transaktionen 859 Millionen Euro verdient.

Kritische Analysten

Der Schreck der Anleger hält auch am Montag an. Die im MDax notierte Aktie rutscht weiter ab und ist der mit Abstand schwächste Wert in dem Segment. Die Analysten beurteilten die Prognosesenkung überwiegend kritisch und haben ihre Einstufungen für Metro gesenkt. So etwa Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Er ist der Meinung, dass der Konzern offenbar den Anschluss an die direkte Konkurrenz und den Onlinehandel verpasst habe. "Dies wird nach der Aufspaltung des Konzerns immer offensichtlicher", sagte er.

Metro Markt

Metro. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Analyst Bruno Monteyne vom US-Analysehaus Bernstein Research stellt gar die Glaubwürdigkeit des Managements in Frage. Er rechnete vor, dass das in Russland erzielte Ebitda in kürzester Zeit um mehr als die Hälfte gefallen sein müsse. "Daher können wir nur folgern, dass die Probleme, denen das Management in Russland gegenübersteht, materiell unterschätzt wurden."

Real weder restrukturier- noch verkaufbar

Am Morgen stuften auch die HSBC und die Baader Bank die Papiere ab, die HSBC gleich doppelt von "Buy" auf "Reduce" und die Baader Bank von "Buy" auf "Hold". Baader-Analyst Volker Bosse begründete seine Maßnahme mit den strukturellen Problemen in Metros wichtigstem Markt Russland und der Situation bei der Supermarktkette Real. Inzwischen sehe es so aus, als sei Real weder restrukturier- noch verkaufbar.

JPMorgan hat das Kursziel für Metro AG nach der Gewinnwarnung ebenfalls von 17,50 auf 15,50 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Neutral" belassen. Analyst Borja Olcese senkte seine Gewinnschätzungen in einer am Montag vorliegenden Studie um rund zehn Prozent.

lg