Vorstandsvorsitzender der Metro Group, Olaf Koch,

Ein Jahr Trennung Metro-Chef Koch verteidigt Aufspaltung

Stand: 11.07.2018, 09:10 Uhr

Bislang keine richtige Erfolgsgeschichte erzählen die Börsenkurse der beiden ehemaligen Metro-Konzernteile seit der Aufspaltung des Konzerns. Die neue Metro und Ceconomy kämpfen weiter mit Problemen, auch wenn Metro-Chef Olaf Koch optimistisch bleibt.

Der Manager gibt sich einen Tag vor dem Jahrestag der Abspaltung betont zuversichtlich: "Der Schritt, die beiden Unternehmen aufzuteilen, macht aus heutiger Sicht sogar mehr Sinn als zuvor", so Koch. Der Wettbewerb im Handel habe noch weiter an Intensität zugenommen. Da sei es wichtig, dass sich die Unternehmen auf ihre eigenen Themen konzentrieren könnten. "Da ist jede Ablenkung vom Kerngeschäft schädlich."

Cecomomy schlecht, Metro schlechter

Auch ohne Ablenkung haben die beiden Aktien die anhaltenden Probleme der Konzernteile allerdings schonungslos widergespiegelt: Die Papiere von Ceconomy, die die Elektronik-Ketten MediaMarkt und Saturn enthält, verloren seit der Aufspaltung rund ein Viertel an Wert. Mit der Aktie der "neuen" Metro, die das Großhandelsgeschäft der Metro-Märkte enthält, ging es sogar um rund 60 Prozent bergab. Beide Papiere notieren im MDax - der hat im gleichen Zeitraum rund sechs Prozent gewonnen.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,23
Differenz relativ
-1,27%

Für den Niedergang beider Aktien gibt es fundamentale Gründe. Metro etwa schockte die Anleger erst im Frühjahr mit einer Gewinnwarnung. Grund waren Probleme mit dem Russland-Geschäft. Dort habe man mit einer "falschen Preisstrategie Kunden vergrault", wie Vorstandschef Koch einräumte. In "naher Zukunft" stellt Koch allerdings nun Besserung in der wichtigen Absatzregion in Aussicht.

Parallel muss der Konzern intern mit der Gewerkschaft Verdi kämpfen. Der Versuch bei neu eingestellten Mitarbeitern niedrigere Löhne durchzusetzen und dadurch Kosten einzusparen, stößt auf massiven Widerstand.

Zwischen Expansion und Störfeuer

Bei der Elektronk-Kette Ceconomy gab es in den vergangenen Monaten kostspielige Aufräumarbeiten zu erledigen. So wurde der Online-Händler Redcoon abgewickelt und die Geschäfte in Russland und der Türkei neu ausgerichtet. In Frankreich beteiligte sich Ceconomy am Elektronikhändler Fnac Darty.

Metro und Ceconomy

Metro und Ceconomy. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

Belastungen bestehen laut dem Unternehmen aber weiter im Geschäft in Schweden und durch Störfeuer, dass die Minderheitsaktionäre der Familie Kellerhals weiterhin verursachen. Anfang Juli hatte Ceconomy einen wichtigen Impuls durch ein Einstieg des Mobilfunk-Vermittlers Freenet erhalten, der sich über eine Kapitalerhöhung neun Prozent an dem Unternehmen gesichert und dabei 277 Millionen Euro an frischen Mitteln eingeschossen hatte.

Analysten bleiben noch reserviert

Analysten bleiben für beide Unternehmen und ihre Aktien auch für die kommenden Monate eher vorsichtig. BNP Exane-Analyst Andrew Gwynn zufolge ist eine Trendwende derzeit "noch nicht erkennbar". Auch die Experten der Commerzbank oder der Société Générale stufden den Titel weiterhin mit "halten" ein.

Etwas günstiger scheinen den Analysten die Aussichten für Ceconomy. Neben einigen "Halten"-Urteilen, etwa von Goldman Sachs, gibt es auch erste Kaufempfehlungen für die Aktie, etwa von der Baader Bank. Der Kursziel liegt hier mit zehn Euro mutige 35 Prozent über dem derzeitigen Kurs von 7,40 Euro.

AB