Kapseln auf Merck-Logo

Prognose erhöht Merck wird mutiger

Stand: 14.11.2019, 11:14 Uhr

Der Milliardenzukauf des US-Halbleiterzulieferers Versum verschafft dem Pharma- und Chemiekonzern Merck Rückenwind. Schulden werden gesenkt, die Prognose erhöht - genutzt hat es nichts, die Investoren drücken trotzdem den Verkaufsknopf.

"Im dritten Quartal haben wir unsere Strategie weiter diszipliniert umgesetzt", sagte Merck-Chef Stefan Oschmann anlässlich der Zahlenvorstellung. Nun liege der Fokus darauf, die Schulden von 7,3 Milliarden Euro rasch zu senken, unterstreicht Finanzvorstand Marcus Kuhnert.

Im dritten Quartal stiegen die Konzernerlöse stiegen auch dank positiver Währungseffekte um 8,1 Prozent auf gut 4 Milliarden Euro. Da Merck gute Geschäfte in den USA macht, profitiert der Konzern bei der Umrechnung vom starken Dollar in Euro. Der Konzerngewinn stieg leicht um 0,8 Prozent auf 343 Millionen Euro.

Merck-CEO Stefan Oschmann

Merck-CEO Stefan Oschmann. | Bildquelle: Merck

Sorgenkind Spezialchemie

Besonders kräftig wuchsen die Sparten Pharma- und Laborbedarf, die den Erlös um rund zehn beziehungsweise zwölf Prozent steigerten. Arzneien gegen Krebs und Unfruchtbarkeit sowie das neue Mittel Mavenclad gegen schubförmige Multiple Sklerose verkauften sich gut.

Im Laborgeschäft verdient Merck weiter prächtig an Technologien, die die aufwendige Herstellung von Biotech-Medikamenten erleichtern. In der Spezialchemie sank der Umsatz dagegen um fast sieben Prozent. Hier setzte sich der Rückgang im Flüssigkristallgeschäft fort.

Werk zur Produktion von Flüssigkristalle bei Merck in Darmstadt

Flüssigkristalle bei Merck. | Bildquelle: Unternehmen

Die Ziele wachsen

Merck setzt sich angesichts der Übernahme des US-Halbleiterzulieferers Versum und guter Geschäfte aber höhere Ziele. Merck erwartet nun 2019 einen Umsatz von 15,7 Milliarden bis 16,3 Milliarden Euro - rund 400 Millionen mehr als bisher angepeilt. Das Betriebsergebnis soll ebenfalls zulegen, wenn auch nicht ganz so stark. 

Merck will mit der 5,8 Milliarden Euro schweren Versum-Übernahme zum führenden Anbieter der Halbleiter- und Displayindustrie aufsteigen. Angesichts der Digitalisierung mit immer leistungsfähigeren Smartphones, Fernsehern und vernetzten Fabriken in der Industrie sieht der Konzern hier Wachstumschancen.

Aktie fast auf Rekordniveau

Ein Händler sprach von "ein wenig besseren Zahlen auf den ersten Blick, auch hinsichtlich der wichtigen Pharmaumsätze". Gleichwohl fallen die Titel um mehr als ein Prozent zurück und gehören zu den schwächsten Dax-Werten.

Allerdings sind die Titel in den vergangenen sechs Monaten gut gelaufen. Ende Mai lag der Preis bei 86 Euro, aktuell müssen Investoren fast 110 Euro bezahlen, wen sie sich Merck ins Depot legen wollen. Das Rekordhoch aus dem Jahr 2017 liegt bei 115,20 Euro.

ts

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