Merck-Logo vor Unternehmensgebäude

Durchsuchungen in Frankreich Merck-Präparat mit Nebenwirkungen

Stand: 04.10.2017, 08:48 Uhr

Der Darmstädter Pharmakonzern hat offenbar Probleme mit einem Schilddrüsen-Medikament. Nach Veränderungen bei der Zusammensetzung klagen mehr Patienten über Begleiterscheinungen. Die Polizei hat eine Fabrik in Lyon durchsucht.

Merck arbeite vollständig mit den Ermittlern zusammen und stelle ihnen alle erbetenen Informationen zur Verfügung, hieß es vom Unternehmen am Dienstag. Hintergrund sind Beschwerden von Patienten, die von unerwünschten Nebenwirkungen der in Frankreich eingeführten neuen Rezeptur des Mittels Levothyrox berichtet hatten. Merck hatte die neue Zusammensetzung auf Bitte der französischen Medikamentenbehörde ANSM bereits 2012 entwickelt. Dabei wurde die enthaltene Laktose durch andere Zusatzstoffe ersetzt.

Haarausfall und Herzrasen

Gesundheitsministerin Agnès Buzyn hatte zuvor erklärt, es seien 9.000 Meldungen über Nebenwirkungen eingegangen. Insgesamt nehmen etwa drei Millionen Menschen in Frankreich das Medikament. Dazu gehörten Haarausfall, Gewichtszunahme und Herzrasen.

Die Ministerin erklärte, es habe eine mangelnde Information der Patienten bei der Umstellung gegeben. Seit Montag ist für Betroffene mit anhaltenden Nebenwirkungen nach Angaben der Behörde ANSM auch die alte Zusammensetzung des Medikaments wieder in Frankreich erhältlich. Levothyrox führt Patienten, die unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, das Hormon Thyroxin zu.

Kaufempfehlung stützt Aktie

Die Aktie von Merck reagiert am Morgen im vorbörslichen Handel nicht negativ auf die Berichte. Der Titel erholt sich derzeit sogar von zwei schwachen Handelstagen und notiert 1,5 Prozent höher. Dazu beitragen dürfte auch ein positiver Analystenkommentar. Die Privatbank Berenberg hat die Einstufung für den Dax-Titel auf "Buy" mit einem Kursziel von 116 Euro belassen. Die Pharmasparte der Darmstädter sei in besserer Verfassung als erwartet, schrieb Analyst Joseph Lockey in einer Studie vom Montag. Dass dem Konzern beim Ergebnis im kommenden Jahr mehr Gegenwind drohe, habe ihn nicht überrascht. Die Aktie biete weiterhin das beste Chance-Risiko-Verhältnis in der Branche.

AB