Merck-Logo vor Unternehmensgebäude

Nach Gegenwind aus China und Lateinamerika Merck macht wieder Hoffnung

Stand: 07.03.2019, 14:14 Uhr

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA will nach einem selbstausgerufenen "Übergangsjahr 2018" im laufenden Jahr wieder vorankommen. Dazu gehört auch die Übernahme von Versum. Die Anleger reagieren verhalten.

"Wir wollen bei den wichtigsten Kennzahlen wieder nachhaltig wachsen", bekräftigte Konzernchef Stefan Oschmann bei der Vorlage der Jahresbilanz in Darmstadt. So soll nach einem Rückgang 2018 das Betriebsergebnis kräftig steigen, der Umsatz soll moderat wachsen.

2018 hatte Merck mit den Währungskrisen in lateinamerikanischen Ländern zu kämpfen, gegen die der Konzern nicht abgesichert ist. So machte den Darmstädtern etwa der rasante Verfall des argentinischen Peso zu schaffen. Zudem macht neuerdings vor allem chinesische Konkurrenz dem jahrelang unangefochtenen Marktführer im Geschäft mit Flüssigkristallen, die etwa für Smartphones und Displays verwendet werden, Boden streitig.

Milliardenschwerer Verkauf

Am Ende rettete den Konzern im vergangenen Jahr der milliardenschwere Verkauf des Geschäfts mit rezeptfreien Arzneien an Procter & Gamble: Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn 2018 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 30 Prozent auf 3,37 Milliarden Euro.

Bereinigt um den Verkaufserlös ging der Gewinn jedoch zurück. Denn will Merck eine stabile Dividende von 1,25 Euro je Aktie zahlen. Beim um Sondereffekte wie etwa Restrukturierungsaufwendungen bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) musste Merck indes einen kräftigen Rückgang um knapp elf Prozent auf 3,8 Milliarden Euro hinnehmen.

Umsätze leicht gestiegen

Insbesondere hier schlugen die negativen Währungseffekte mit Wucht durch, aber auch ohne diese Effekte gab es ein kleines operatives Minus. Analysten hatten zwar mit diesem operativen Rückgang gerechnet, aber dennoch ein etwas höheres Konzernergebnis erwartet. Die Aktie gab nach, konnte sich dann aber erholen.

Die Erlöse kletterten dank eines starken Schlussquartals auf Jahressicht leicht von 14,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf 14,84 Milliarden Euro. Zugpferd war dabei einmal mehr die Laborsparte.

Neue Hoffnungsträger im Pharmageschäft

Auch das Pharmageschäft kam dank neuer Hoffnungsträger voran, Währungseffekte fraßen den Zuwachs aber nahezu komplett wieder auf. Die Umsätze mit den beiden wichtigsten neuen Mitteln, dem Krebsmedikament Bavencio und Mavenclad bei Multipler Sklerose (MS), erhöhten sich deutlich, bleiben aber weiterhin im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Dagegen verliert der in die Jahre gekommene, wichtigste Kassenschlager des Konzerns, das MS-Mittel Rebif, an Umsatz.

Merck Flüssigkristallmischung in Atsugi, Japan

Flüssigkristallmischung bei Merck. | Bildquelle: Unternehmen

Bei den Flüssigkristallen lief es im zwar zweiten Halbjahr wieder besser - der Merck-Vorstand hat aber bereits klargestellt, dass es sich um einen nur vorübergehenden positiven Schub handeln dürfte. Für 2019 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Preisrückgang in dem Geschäft.

Merck will Versum unbedingt

Gleichzeitig hält Merck an seinem Plan fest, den Elektronikmaterialien-Hersteller Versum aus Arizona zu übernehmen. "Wir sind fest davon überzeugt, dass Versum aus Sicht aller Beteiligten bei uns am besten aufgehoben ist", sagte Oschmann. Merck biete mit 48 Dollar je Versum-Aktie ein überlegenes Angebot. Versum hat die Avancen aus Deutschland allerdings zurückgewiesen.

lg/dpa/rtr