Merck Flüssigkristallmischung in Atsugi, Japan
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Ergebnis gesunken Merck: Die fetten Jahre sind vorbei

Stand: 08.03.2018, 08:19 Uhr

Über Jahre profitierte die Darmstädter Merck vom Boom zu immer größeren Bildschirmen und steigenden Smartphonezahlen. Doch das ist vorbei, die Konkurrenz hat aufgeholt. Auch im Pharmabereich gibt es Gegenwind.

Im vergangenen Geschäftsjahr sank das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um knapp zwei Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Damit landete Merck aber noch wie zuletzt geplant am unteren Ende seiner Jahresprognose. "Wir haben uns in einem anspruchsvollen Umfeld gut behauptet und alle Ziele für das Jahr erreicht", sagte Konzernchef Stefan Oschmann.

Im Geschäft mit Flüssigkristallen, das über Jahre vom Boom zu immer größeren Bildschirmen und steigenden Smartphone- und Tablet-Zahlen profitierte, kämpft Merck mit verschärftem Wettbewerb aus Asien. Gegenwind kommt zudem vom stärkeren Euro.

Sonderertrag aus US-Steuerreform

Zugleich haben die Hessen im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld für die Erforschung neuer Arzneimittel in die Hand genommen. Mit der Krebsimmuntherapie Bavencio (Avelumab) konnte Merck 2017 erstmals seit neun Jahren wieder ein neues Medikament auf den Markt bringen. Bei seinen älteren Pharmaprodukten, dem Krebsmittel Erbitux und dem Mutiple-Sklerose-Mittel Rebif, muss der Konzern dagegen Umsatzrückgänge verdauen.

Unter dem Strich verdiente das Darmstädter Unternehmen mit 2,6 Milliarden Euro knapp 60 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wozu auch ein Sonderertrag von 906 Millionen Euro durch die US-Steuerreform beitrug. Die Aktionäre sollen eine fünf Cent höhere Dividende von 1,25 Euro je Aktie erhalten.

Geringeres Ergebnis erwartet

Für 2018 ein moderates organisches Umsatzwachstum in Aussicht. Dabei dürften negative Währungseffekte das um Sonderposten Ebitda um vier bis sechs Prozent belasten, wie Merck bei der Vorlage seiner Bilanz am Donnerstag in Darmstadt mitteilte. Aber auch währungsbereinigt sei mit einem leichten prozentualen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen.

Der aus einer Darmstädter Apotheke hervorgegangene Dax-Konzern feiert in diesem Jahr seinen 350. Geburtstag. An der Börse kommen die Zahlen nicht gut an. Im frühen Handel verliert die Aktie gut ein halbes Prozent. Damit könnte sich der seit Monaten anhaltende Abstieg des Papiers fortsetzen. Seit dem Hoch im Mai letzten Jahres hat die im Dax notierte Merck-Aktie fast ein Drittel an Wert eingebüßt. Damit haben die Anleger auf die sich abzeichnende Ergebnisschwäche reagiert.

lg

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Die Geschichte der Merck KGaA, des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt, beginnt im Jahr 1668. Gerade einmal 20 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kauft Friedrich Jacob Merck eine Darmstädter Apotheke. Diese ist die Keimzelle der beiden Unternehmen Merck KGaA in Darmstadt und Merck & Co in Philadelphia.