Bulle- und Bärspielzeugfigur in der Deutschen Börse in Frankfurt
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Kengeter-Nachfolger Mehrere Kandidaten für die Börsen-Spitze

Stand: 29.10.2017, 15:42 Uhr

Die Deutsche Börse wird noch in diesem Jahr einen neuen Chef bestimmen. Man habe eine Hand voll potentiell geeigneter Kandidaten, sagte Aufsichtsratschef Joachim Faber. Einen kompletten Neuanfang schließt er aus.

An einen Rücktritt denke er nicht, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Meine Pflicht ist es, jetzt schnell stabile Verhältnisse herzustellen." Eine komplette Neuauswechslung von Vorstand und Aufsichtsrat lehnt er ab.

Kritik an Faber

Der Druck auf Faber ist zuletzt gewachsen. "Faber muss gehen", fordert ein wichtiger Aktionär. Laut dem "Spiegel" werfen mehrere große Aktionäre der Deutschen Börse dem Chefkontrolleur vor, er habe die Affäre um möglichen Insiderhandel schlecht gehandhabt und hätte Kengeter früher austauschen müssen. Kengeter habe in den vergangenen Monaten zweimal seinen Rücktritt angeboten, Faber habe sich jedoch dagegen gesperrt. Selbst innerhalb des Aufsichtsrats stünden nicht mehr alle hinter Faber.

Am vergangenen Donnerstag hatte der zunehmend in die Kritik geratene Börsen-Chef Carsten Kengeter die Konsequenz aus der Insideraffäre gezogen und seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Seit neun Monaten ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen eines lukrativen Aktiengeschäfts in Millionenhöhe aus dem Dezember 2015 - gut zwei Monate vor dem Bekanntwerden der Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE. Aufsichtsrat, Vorstand und Kengeter persönlich hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Für Kengeter hat Faber nur lobende Worte übrig: "Er hat Großartiges für die Börse bewirkt und die Aktionäre reich gemacht", sagte Faber.

Wohl kein Interimschef nötig

Die Deutsche Börse will bald mit Kandidaten für die Nachfolge Kengeters sprechen. "Wir haben eine Shortlist mit einer Handvoll potenziell geeigneter Kandidaten, die arbeiten wir jetzt sehr schnell ab", sagte Aufsichtsratschef Faber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Personalausschuss des Aufsichtsrats werde die Manager bald zu Vorstellungsgesprächen treffen. Laufe alles wie geplant, sei es nicht nötig, einen Interimschef zu bestellen, sagte Faber.

Der neue Börsen-Chef müsse einen Draht zur Politik haben. "Es muss jemand sein, der das regulatorische Umfeld in hohem Maße betreuen kann", sagte Faber. "Auf diesem Feld haben wir wohl etwas Nachholbedarf." Gefordert sei ein gestandener Unternehmer, auch wenn er keine jahrelange Erfahrung an einer Börse habe: "Für mich ist es nicht so wichtig, dass der Nachfolger das Geschäft so in der Tiefe versteht wie Kengeter, gefragt ist ein Generalist", sagte Faber.

Deutsch-sprechender Generalist gesucht

Dabei käme auch ein Österreicher oder Schweizer in Betracht. "Der Nachfolger für Kengeter muss nicht zwingend einen deutschen Pass haben, aber Deutsch als Muttersprache", sagte Faber.

Als interne Lösung für die Neubesetzung des Chefpostens käme wohl Gregor Pottmeyer, Finanzvorstand der Deutschen Börse, in Frage. Als möglicher externer Kandidat wird unter anderem Markus Rieß, Chef des Versicherers Ergo, genannt. Rieß und Börsen-Aufsichtsratschef Faber kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Allianz-Konzern.

nb