Glyphosat

US-Behörde stützt in Glyphosat-Debatte Mehr Rückendeckung für Bayer

Stand: 31.01.2020, 09:22 Uhr

Im Kampf um Milliardensummen an Entschädigungen im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat hat der Bayer-Konzern einen überraschenden Verbündeten: Die US-Umweltbehörde EPA, die erneut Stellung zu dem Produkt genommen hat.

Die Behörde hält das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Gegensatz zu einigen Gerichtsurteilen weiterhin nicht für krebserregend. Die EPA teilte am Donnerstag (Ortszeit) mit, eine neue Überprüfung abgeschlossen zu haben und das Pestizid bei vorschriftsgemäßem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko für Menschen einzustufen.

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Damit hält die EPA trotz der hitzigen öffentlichen Debatte um Glyphosat an ihrer Linie fest, die den bisherigen US-Gerichtsurteilen bei Klagen gegen Bayer wegen angeblicher Krebsgefahren entgegensteht. Der Konzern begrüßte die Entscheidung in einem Statement. Bayer begrüßte in einem Statement am Morgen "ausdrücklich" die Entscheidung der EPA.

Gerichte stehen auf der anderen Seite

Der Konzern kann Unterstützung in Sachen Glyphosat derzeit gut gebrauchen - der Konzern ist in den USA mit über 42.700 Klägern konfrontiert. Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat ins Haus geholt. Die ersten drei US-Prozesse wegen angeblich krebserregender Unkrautvernichtungsmittel von Monsanto hatte Bayer verloren und hohe Schadenersatz-Urteile kassiert. Der Konzern hat die Schuldsprüche jedoch angefochten und erhielt in einem Berufungsverfahren zuletzt Unterstützung von der US-Regierung, die einen sogenannten Amicus-Schriftsatz zugunsten von Bayer bei Gericht einreichte.

Bayer ist einem außergerichtlichen Vergleich mit den amerikanischen Glyphosat-Klägern näher gekommen. Vorstandschef Werner Baumann wolle bis zur Hauptversammlung Ende April eine Lösung präsentieren, schrieb das "Handelsblatt" vor wenigen Tagen. Dabei stehe eine Vergleichssumme von zehn Milliarden Dollar im Raum. Die Zeitung schrieb unter Berufung auf Finanz- und Unternehmenskreise, dass Bayer eine Einschränkung des Vertriebs des Mittels Roundup prüfe. So könnte der Verkauf an Privatanwender gestoppt werden.

Aktie berappelt sich seit Monaten

Die Bayer-Aktie reagierte im vorbörslichen Freitagshandel mit zunächst deutlichen Aufschlägen. Bei dem Titel scheint inzwischen ohnehin eine hohe Vergleichszahlung im Milliardenbereich "eingepreist" zu sein. Der Titel hat sich von einem Mehrjahrestief im vergangenen Sommer bei rund 52 Euro wieder auf inzwischen 75 Euro erholt.

AB