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Deutsches Klimapaket Mehr Klimaschutz kostet Konzerne Milliarden

von Notker Blechner

Stand: 19.09.2019, 17:16 Uhr

Am Freitag will die Bundesregierung ein riesiges Klimaschutz-Paket beschließen. Zur Finanzierung soll unter anderem ein Preis für den CO2-Ausstoß eingeführt werden. Auf einige Dax-Konzerne kämen dann Milliarden-Belastungen zu.

Zwar ist eine von der SPD geforderte CO2-Steuer wohl vom Tisch. Dafür soll aber das Emissionshandelssystem auf den Gebäude- und Verkehrsbereich ausgeweitet werden. Das Klimakabinett plant die Einführung eines Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten für Sprit, Heizöl und Gas. Letztlich wirkt das wie eine verkappte Steuer.

Durch die zusätzliche Bepreisung von CO2-Emissionen drohen den Dax-Konzernen Belastungen in Milliardenhöhe. Für den Fall, dass die Unternehmen ihren Ausstoß an Kohlendioxid nicht reduzierten, könnten schon bei einer geringen Steuer von 30 Euro je Tonne jährlich insgesamt rund 5,2 Milliarden Euro auf die Konzerne zukommen. Das entspreche 3,7 Prozent des operativen Ergebnisses (Ebit) der Dax-Konzerne im Jahr 2018, heißt es in einer aktuellen Studie der Fondsgesellschaft Union Investment.

Chemie-, Stahl- und Autobranche am stärksten betroffen

Besonders betroffen wären Unternehmen aus der Chemiebranche wie BASF, Covestro oder Linde, Thyssenkrupp aus der metallverarbeitenden Industrie oder die Autobauer BMW, Continental, Daimler, VW sowie aus dem Baugewerbe HeidelbergCement. Im Extremszenario von 200 Euro je Tonne käme auf neun Dax-Konzerne gar eine jährliche Belastung von über einer Milliarde Euro zu.

"Aus Investorensicht stellt sich die Frage, wie schnell ein Unternehmen seine CO2-Emissionen senken kann", erklärte Union-Investment-Experte Henrik Pontzen. "Mittel- bis langfristig ist entscheidend, wie schnell Unternehmen ihre Energieversorgung anpassen, ihr Geschäftsmodell modifizieren und inwieweit sie die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben können."

Mögliche Profiteure

Gute Chancen rechnet Pontzen dabei den Konzernen Continental, Infineon, Fresenius, Fresenius Medical Care und der Deutschen Telekom aus. Diese könnten mittelfristig von einer Besteuerung sogar profitieren. Sie verbrauchten aktuell zwar viel Strom, doch sie dürften technisch in der Lage sein, ihre Emissionen deutlich schneller zu senken als andere Unternehmen.

Laut der Union-Investment-Studie wären die Lufthansa und die Deutsche Post besonders von einer Änderung der Besteuerung des Luftverkehrs betroffen. Es droht die Verdoppelung der Luftverkehrssteuer auf alle innereuropäischen Flüge von Deutschland aus.

40 Milliarden Kosten bis 2024?

Das Klimakabinett will am Freitag weitreichende Entscheidungen treffen, damit Deutschland die Klimaziele bis 2030 schafft. Es geht vor allem darum, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 beim Autofahren und Heizen zu verteuern. Im Gegenzug sind Entlastungen für Bürger und Firmen geplant, etwa bei den hohen Strompreisen. Nach  Schätzungen von Reuters wird das Klimapaket in den kommenden vier Jahren 40 Milliarden Euro oder sogar noch mehr kosten.

Die deutsche Industrie ist beunruhigt. "Unsere Unternehmen brauchen Entscheidungen, die Investitionen im Klimaschutz ermöglichen, statt sie zu erschweren", sagte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). "Gerade in der sich abzeichnenden konjunkturellen Schwächephase ist jede neue Investition gut für die wirtschaftliche Entwicklung."

Nachhaltig Investieren als Alternative

Wer das Klima retten will, kann dies indirekt auch über Nachhaltigkeitsfonds oder Green Bonds tun. Es gibt eine Fülle von grünen Geldanlage-Produkten, die Banken und Fondsgesellschaften  anbieten. Dabei müssen Anleger keineswegs auf Rendite verzichten. Laut einer umfangreichen Metastudie der Uni Hamburg gibt es bei 90 Prozent der Studien keinen negativen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Unternehmensperformance. Die Mehrheit der Studien findet sogar eine positive Korrelation.

Robert Kölsch, Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG) meint daher, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren keinerlei ökonomische Nachteile mit sich führe, sondern eher im Gegenteil, tendenziell finanziell von Vorteil sei. Freilich gebe es innerhalb der verschiedenen Anlagestile wie Best-in-Class-Ansatz oder reiner Öko-Ansatz Unterschiede hinsichtlich Rendite und Risiko.