Vier Münzstapel und kleines Pflänzchen

Neue Studie Mehr Börsengänge braucht das Land

Stand: 01.03.2018, 16:10 Uhr

Kapitalbeschaffung über die Börse ist eine wichtige Möglichkeit besonders für kleine und mittlere Firmen, zu wachsen. Davon profitieren letzlich alle, wie eine neue Studie des DAI und weiterer Partner zeigt.

Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen ist der Weg zu einer Finanzierung dornig. Ein Paradefall für die Funktion der Börse. Sie ist ein wichtiges Finanzierungsinstrument für Wachstum, Innovation und Beschäftigung, schreibt das Deutsche Aktieninstitut (DAI).

Christine Bortenlänger

Christine Bortenlänger, DAI. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gleichzeitig ging die Zahl der Börsengänge, über die solches Kapital bei Investoren eingeworben wird, in Deutschland zuletzt zurück. "Seit Jahren gehört Deutschland im internationalen Vergleich bei der Zahl der Börsengänge zu den Schlusslichtern", kritisiert Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. "Im Interesse der Unternehmen, aber auch der Anleger muss sich dies dringend ändern", fordert sie.

Das DAI hat nun zusammen mit den Partnern Berenberg Bank, Deutsche Bank, Deutsche Börse und Goldman Sachs eine Studie vorgestellt, die auf einer Umfrage bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) basiert. Darin werden die Vorteile und Herausforderungen einer Börsenfinanzierung dargestellt und das politische Umfeld beurteilt.

Flexiblere Finanzierungsmöglichkeiten...

Als wesentliche Vorteile einer Börsenfinanzierung sehen die Befragten, dass sich der Bekanntheitsgrad sowie die Reputation des Unternehmens und seiner Produkte erhöhe. Dass Kapitalgesellschaften bei ihren Finanzierungsmöglichkeiten sehr viel flexibler sind ist nicht neu, wird aber immer wieder genannt - und trifft nicht nur für KMUs zu.

Bulle, Bär und Börsenkurse auf einem Notebook

Börsengänge ziehen in aller Regel neue Jobs nach sich. | Bildquelle: Imago

Gerade größere Transaktionen wären ohne Aktientausch oder Kapitalmaßnahmen gar nicht zu stemmen, denn Banken sind als Fremdkapitalgeber spätestens seit der Finanzkrise deutlich limitierter bei ihren Risikoansätzen.

Gut zwei Drittel der befragten Unternehmen haben nach einem Börsengang ihr Kapital erhöht, die Mehrheit berichtet, dass sie nach einem Börsengang den Umsatz um mehr als 50 Prozent steigern konnten. 42 Prozent haben zudem die Zahl der Arbeitskräfte um mehr als die Hälfte erhöht.

... aber auch Herausforderungen und Probleme

Eines der größten Probleme für KMUs ist die geringe Liquidität ihrer Aktien an der Börse. Hinzu kommt die Schwierigkeit, Investoren zu finden, die über die notwendigen Branchenkenntnisse verfügen. Aber auch die fehlende Infrastruktur kann ein Problem werden. Denn Emissionsbanken, die auch Unternehmen mit einem Marktwert unter 100 Millionen Euro an die Börse bringen, sind selten.

Auch die herrschenden Regularien überfordern viele kleinere Unternehmen. Etwa die Pflicht zur Anwendung des Bilanzierungsstandard IFRS, soweit Unternehmen aus dem regulierten Markt betroffen sind. Auch diverse Berichts- und Mitteilungspflichten sowie die Vorschriften zur Corporate Governance werden beklagt - auch, weil sie meist recht teuer sind.

Deutsche Börse-Logo mit Scale-Schriftzug

Scale. | Bildquelle: Deutsche Börse

Kritisiert werden auch Regelungen auf EU-Ebene, wie die EU-KMU-Missbrauchsrichtline, mit der Börsengänge von KMUs eigentlich erleichtert werden sollten. So wirke die Erweiterung der Richtlinie auf Freiverkehrssegmente wie den neu eingeführten Scale-Markt oder m:access kontraproduktiv. Deren Einführung wird von den Befragten naheliegenderweise begrüßt.

Die vielen Vorschriften zeigen, dass dem Staat, aber den Börsen selbst eine wichtige Rolle zufällt, die Aktienkultur zu stärken. Die Studie zeige, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen für Börsengänge verbessert werden müssten, so Hauke Stars, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Börse.

Mehr private Anleger gewünscht

Dies gilt auch beim Ziel, mehr private Anleger für die Börse zu gewinnen. Hilfreich dabei wären die aktienbasierte Altersvorsorge und eine Verringerung der steuerlichen Diskriminierung von Eigen- gegenüber Fremdkapital, so die Studie.

"Länder wie die USA, Großbritannien oder Schweden zeigen, dass eine stärkere Aktienorientierung in der Altersvorsorge sich positiv auf die Aktienkultur insgesamt auswirkt", sagt Wolfgang Fink von Goldman Sachs. "Hier zeigt die Erfahrung, dass eine höhere Aktienquote auch die heimische Nachfrage bei Börsengängen ankurbeln würde", so der Experte weiter.

Ob die Deutschen aber so weit gehen? Zweifel bleiben angebracht, auch wenn sich im Zuge der jüngsten Börsenhausse der Anteil der Aktionäre in Deutschland wieder deutlich erhöht hat.

rm