Nordex Windturbine

Chance für die Aktie? Auftragsflut bei Nordex

Stand: 03.07.2019, 11:04 Uhr

Dank einer starken Nachfrage aus den USA hat der Windturbinenbauer Nordex seine Auftragseingänge im zweiten Quartal fast verdoppelt. Die Aktie schießt nach oben. Vom Jahreshoch ist das Papier allerdings noch weit entfernt.

Kunden bestellten Turbinen mit einer Gesamtleistung von rund zwei Gigawatt, nach 1,1 Gigawatt im Vorjahresquartal, teilte Nordex mit. Die vor kurzem auf den Markt gebrachte neue Turbinengeneration konnte im Berichtszeitraum einen Anteil von rund 34 Prozent aller Bestellungen auf sich vereinen.

Im ersten Halbjahr kamen jeweils 37 Prozent der Aufträge aus Europa und Nordamerika, 21 Prozent aus Lateinamerika und fünf Prozent aus Australien. Der größte Einzelmarkt im zweiten Quartal waren den Angaben zufolge die USA mit rund 1,1 Gigawatt.

Aufträge über Aufträge

Kein Wunder: So trudelten in den vergangenen Wochen immer wieder Großaufträge aus den Vereinigten Staaten ein. Diese Woche berichtete Nordex von einem Auftrag über 38 Turbinen in Texas im Sommer 2020.

Ein Mitarbeiter des Windanlagenbauers Nordex prüft die Spitzen von Rotorflügeln für Windkraftanlagen

Nordex Windturbine. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mitte Juni teilte Nordex mit, dass es im nächsten Jahr 100 Windturbinen mit einer Gesamtkapazität von 300 Megawatt für die Nordamerika-Tochter des französischen Versorgers Engie baut. Ab Frühjahr 2020 wird ein weiterer Windpark in den USA mit 63 Turbinen und einer Nennleistung von 198 Megawatt ausgestattet.

Dazu kommen weitere Großaufträge aus Argentinien, Australien oder Griechenland und zuletzt Kroatien. "Die Auftragsentwicklung bei Nordex bleibt vielversprechend", sagte Sebastian Growe von der Commerzbank bereits Ende Mai. Der Analyst verwies darauf, dass das Unternehmen nun schon sechs Quartale mit Aufträgen für Anlagen mit einer Leistung von jeweils mindestens einem Gigawatt hinter sich habe.

Aktie hebt ab

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,77
Differenz relativ
-0,17%

Am Vormittag steigt das Papier des Windturbinenbauers zeitweise um über zehn Prozent. Seit Jahresbeginn konnte die Aktie damit um mehr als 70 Prozent an Wert zulegen. Vom Jahreshoch Anfang April bei 15,46 Euro ist sie aber noch ein gutes Stück entfernt. Bis Mitte Juni stürzte der Titel aus dem SDax und TecDax um 20 Prozent ab.

Nordex war im ersten Quartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzernverlust weitete sich von 19,4 Millionen auf 35 Millionen Euro aus. Auch operativ gab es eine sehr schwache Ergebnisausbeute. Das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) sank von 20 Millionen Euro auf 3,3 Millionen bei einer Marge von mageren sieben Prozent.

Niedrigere Installationszahlen hatten dem Unternehmen Sorgen bereitet. Der Umsatz ging um gut 18 Prozent auf knapp 400 Millionen Euro zurück, was unter den Erwartungen der Analysten lag. In den ersten drei Monaten 2019 installierte Nordex insgesamt nur 84 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 260,9 Megawatt (Vorjahr: 522,9 MW).

Schwere Zeiten vorbei?

Allgemein leidet die Branche der Windkraft-Spezialisten unter hartem Konkurrenzdruck und sinkenden Margen. 2018 war bei Nordex der Bruttozubau von Windrädern an Land um 55 Prozent auf 2.400 Megawatt eingebrochen. Zuletzt seien 2013 so wenige Anlagen neu gebaut worden. Das Hamburger Unternehmen Senvion musste Anfang April gar Insolvenz anmelden.

Doch die neue Auftragsflut könnte die Nordex-Anleger zufriedenstellen. Windkraft ist wieder gefragt. Spätestens seit der Europa-Wahl mit dem Erfolg der Grünen und der "Fridays for Future"-Bewegung spielt das Thema Umwelt eine deutlich größere Rolle in der Gesellschaft. Erneuerbare Energien stehen dabei im Fokus.

Ein Mitarbeiter des Windanlagenbauers Nordex montiert eine Turbine

Nordex Windturbinenmontage. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

So forderte etwa die SPD-Fraktion Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kürzlich dazu auf, ein Gipfeltreffen zum Ausbau der Windenergie einzuberufen. "Die Fragen, wie wir die Akzeptanz der Windkraft verbessern können, wie der Heimatmarkt erfolgreich gestärkt werden kann, wie wir die Arbeitsplätze in der Windindustrie sichern und einen deutschlandweiten Ausbau flankieren können, müssen bald geklärt werden", so die Fraktion. Es müssten Lösungen für aktuelle Probleme her.

Immerhin hat Strom aus Windenergie nach Angaben des Fraunhofer Instituts 2018 bereits 23,9 Prozent der deutschen Nettostromproduktion ausgemacht. Gelingt es Nordex nun, die Großaufträge und die Rückendeckung aus Deutschland auch in rentable Erlöse und Gewinn zu verwandeln, würde das der Aktie gut tun. Es bleibt eine Chance.

tb