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Altria und Philip Morris verhandeln Tabakbranche vor Megafusion

Stand: 27.08.2019, 18:48 Uhr

Philip Morris International und Altria könnten ihre Kräfte bündeln. Die Unternehmen bestätigten am Dienstag Verhandlungen über eine Fusion per Aktientausch. Doch noch ist nichts entschieden.

Sollte es zu einer Einigung kommen, wäre es eine Art Wiedervereinigung nach mehr als zehnjähriger Trennung. Noch ist ein Deal keine ausgemachte Sache. "Es gibt keine Gewissheit, dass die Gespräche zu einer Einigung oder einer Transaktion führen", betonten Philip Morris und Altria in ihren Mitteilungen. Einem möglichen Zusammenschluss müssten zudem noch die Verwaltungsräte sowie Aktionäre und Aufsichtsbehörden zustimmen. Gemeinsam brächten es die Konzerne auf einen Börsenwert von über 200 Milliarden Dollar.

Die vor allem für die weltweit meistverkaufte Zigarettenmarke Marlboro bekannten Unternehmen gehörten bereits bis 2008 zusammen. Dann wurde Philip Morris unter Aktionärsdruck abgespalten, um die wachstumsstärkeren internationalen Geschäfte zu führen. Altria konzentrierte sich fortan auf den US-Markt.

Spekulationen gibt's schon lange

Spekulationen über eine Wiedervereinigung gibt es unter Analysten aber schon lange. Denn die Branche muss sich neu orientieren: Teuren Rechtskonflikten wegen angeblicher Verschleierung der Risiken des Rauchens folgten strengere staatliche Vorschriften und Werbeverbote in vielen Ländern. Obwohl die Anzahl der Raucher in weiten Teilen der Welt sinkt, laufen die Geschäfte dank Preiserhöhungen zwar weiter relativ rund. Doch fest steht: Als Wachstumsbringer haben klassische Glimmstängel ausgedient.

Die Branche steckt deshalb schon länger massiv Geld in vermeintlich gesündere Alternativen wie Dampf- und E-Zigaretten. Philip Morris und Altria sind hier ganz vorne mit dabei, sie haben mit milliardenschweren Investitionen auf IQOS und Juul gesetzt - zwei der der derzeit beliebtesten Ausweichprodukte.

Auch E-Zigaretten unter Druck

Aber auch E-Zigaretten sind in den USA unter Druck geraten. Ein Ausschuss des US-Parlaments verlangt von E-Zigarettenanbietern wie Juul, Angaben zu Untersuchungen über mögliche Nebenwirkungen und Marketing-Praktiken. Parallel dazu untersucht die US-Seuchenbehörde CDC in 153 Fällen den möglichen Zusammenhang schwerwiegender Lungenerkrankungen mit dem Genuss von E-Zigaretten.

Branchenexpertin Bonnie Herzog von der Bank Wells Fargo hatte Altria und Philip Morris bereits in einer Studie vom Montag als ideale Partner beschrieben. Altria ist zudem in großem Stil am Cannabis-Riesen Chronos beteiligt.

Gewaltige Dimensionen

Ein Zusammenschluss hätte gewaltige Dimensionen: Philip Morris hatte zuletzt einen Börsenwert von rund 121 Milliarden Dollar, Altria brachte es auf gut 97 Milliarden. An der Börse sorgte die Nachricht für starke Kursbewegungen: Während die Aktien von Philip Morris mit Verlusten reagierten und zuletzt mit knapp fünf Prozent im Minus notierten, legten die Papiere von Altria zeitweise um mehr als zehn Prozent zu. Die Unternehmen wollten sich zunächst nicht dazu äußern, wer bei einer möglichen Fusion die Mehrheit übernehmen würde.

lg/dpa/rtr