Medacta

Größtes IPO in Europa in diesem Jahr Medacta bricht das (Börsen-)Eis

Stand: 04.04.2019, 14:39 Uhr

In der Schweiz ticken bekanntlich die Uhren anders. So auch am IPO-Markt. Während in Deutschland absolute Flaute herrscht, stehen in der Schweiz mehrere Börsenkandidaten Schlange. Den Anfang machte nun die Orthopädiefirma Medacta - und feierte ein starkes Debüt.

Die Aktien sprangen im Laufe des Donnerstags auf 105,90 Franken hoch. Das ist ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Ausgabekurs von 96 Franken. Bis zum frühen Nachmittag bröckelten die Kursgewinne ab – auf knapp 99 Franken. Die Aktien waren überzeichnet. Das Interesse von schweizerischen und internationalen Investoren an Medacta sei groß gewesen, erklärte Firmenchef Francesco Siccardi.

Die Familie Siccardi hält künftig noch zwei Drittel am Unternehmen. Ein Drittel brachte sie an die Börse. Dafür streicht sie bis zu 629 Millionen Franken ein. Insgesamt kommt der Börsenneuling, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 273 Millionen Euro erwirtschaftet hat, nun auf einen Börsenwert von rund 2,1 Milliarden Franken (1,9 Milliarden Euro).

Rentable Geschäfte mit Hüftimplantaten

Als Medizintechnik-Hersteller ist Medacta relativ unabhängig von konjunkturellen Einflüssen. Die Firma aus dem italienischsprachigen Kanton Tessin entwickelt und produziert vor allem Hüft- und Knieimplantate sowie chirurgische Instrumente. Medacta peilt mittelfristig ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren Zehn-Prozent-Bereich an - und das bei hohen operativen Margen von über 30 Prozent.

Der erste Börsengang an der Schweizer SIX im laufenden Jahr ist die größte Neuemission in Europa seit Jahresanfang. An anderen Handelsplätzen des Kontinents herrschte eine weitgehende IPO-Flaute, weil die Anleger die Finger von Firmen lassen, deren Geschäft von der Konjunktureintrübung und politischen Unsicherheiten in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Zwei weitere Börsenkandidaten vor Ostern

Nachdem Medacta nun das Eis gebrochen hat, gehen kommende Woche voraussichtlich zwei weitere Firmen an die Schweizer Börse: Der Zugbauer Stadler Rail und das Augenheilunternehmen Alcon. Die vom Pharmakonzern Novartis abgespaltene Alcon könnte dabei eine Marktkapitalisierung von bis zu 27 Milliarden Franken auf die Waage bringen. Alcon wäre damit der größte Neuzugang an der Schweizer Börse SIX seit neun Jahren. Dennoch rechnen Experten damit, dass 2019 nicht das Spitzenjahr 2018 erreichen dürfte, als die Schweizer Börse zwölf Neuzugänge verbuchte.

IPO-Dürre in Deutschland

Für Deutschland sehen die Aussichten noch viel düsterer aus. Vor Ostern wird sich kein Unternehmen mehr aufs Parkett wagen. Zuletzt hatte der Autobauer Volkswagen den Börsengang seiner Nutzfahrzeugsparte unter dem Kunstnamen Traton abgesagt. "Die derzeitige Hängepartie beim Brexit ist Gift für das Klima im Kapitalmarkt", sagt Martin Steinbach, Experte für Börsengänge bei EY. Der deutsche IPO-Markt werde erst wieder auf die Beine kommen, wenn die Unsicherheit rund um den Brexit beseitigt sei.

nb

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