Steve Easterbrook

Unangemessene Beziehungen vertuscht McDonald's: Muss Easterbrook die Millionen abschreiben?

Stand: 11.08.2020, 12:16 Uhr

Erst gefeuert, dann verklagt: Die Restaurantkette McDonald's will vom früheren Chef Stephen Easterbrook die millionenschwere Abfindung zurück. Easterbrook hatte offenbar nicht nur eine einzige unangemessene Beziehung am Arbeitsplatz – es waren mehr.

McDonald's hat den wegen einer Romanze am Arbeitsplatz entlassenen Firmenchef Steve Easterbrook nun auch verklagt. Die Fast-Food-Kette wirft ihm in der veröffentlichten Klage vor, er habe auch weitere Beziehungen in der Firma gehabt und darüber gelogen.

Im Juli sei dem Unternehmen bekannt geworden, dass Easterbrook vor seiner Entlassung Beziehungen zu drei anderen Personen geführt habe, geht aus der Klage hervor. Beweise dafür, darunter sexuell eindeutige Fotos und Videos gesendet von E-Mail-Konten des Unternehmens, habe er von seinem Handy gelöscht. Daher hätten die zuständigen Stellen vor Easterbrooks Entlassung keine Kenntnis davon gehabt.

Teures Aktienpaket gebilligt

Außerdem habe eine Untersuchung unter anderem ergeben, dass für eine oder einen der Beschäftigten von Easterbrook während der Beziehungen ein Aktienpaket im Wert von mehreren hunderttausend Dollar gebilligt worden sei, erklärte McDonald's. 

McDonald's will nun das millionenschwere Abfindungspaket rückgängig machen, das Easterbrook bei der Kündigung im November noch bekommen hatte. Der Ex-Konzernchef war Ende 2019 wegen einer einvernehmlichen Affäre innerhalb des Unternehmens gefeuert worden. Der Brite hatte damit gegen die Richtlinien von McDonald's verstoßen. Easterbrook selbst räumte damals einen "Fehler" ein.

42 Millionen Dollar für geleistete Arbeit

McDonald's hatte sich mit einer Art vorzeitigem Auflösungsvertrag von Easterbrook getrennt. Über diesen Vertrag wurde dessen Vorstandstätigkeit "ohne Grund" beendet, was Easterbrook erlaubte, fast 42 Millionen Dollar an Aktienoptionen und anderen finanziellen Vorteilen zu behalten. Hätte McDonald's von Easterbrooks Verhalten gewusst, so wäre sein Vertrag anders beendet worden.

Steve Easterbrook

Steve Easterbrook: 42 Millionen Dollar für geleistete Arbeit. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Die Zahl hat die auf Vergütungsfragen spezialisierte Beratungsfirma Equilar ermittelt. Außerdem kassierte Easterbrook das Gehalt von 26 Wochen, was einer Summe von etwa 670.000 Dollar entspricht. Das war der Preis, den McDonald's für Easterbrooks Arbeit bezahlte, der den Spitzenposten beim Fast-Food-Konzern im März 2015 übernommen hatte.

Familie, Gesundheit, Freunde

Sein Nachfolger Chris Kempczinski spricht derzeit über "Values". McDonald's toleriere kein Verhalten irgendeines Angestellten, das nicht den Werten des Unternehmens entspreche, teilte Kempczinski mit. Die gerichtliche Klage sei eine Demonstration dieses Werte-Engagements.          

McDonald's-CEO Chris Kempczinski

McDonald's Chef Chris Kempczinski: Demonstration des Werte-Engagements. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Einen Überblick über die Unternehmenswerte liefert die Homepage des Konzerns: "Für uns als Gastgeber ist wichtig, was unseren Gästen wichtig ist: ihre Familie, ihre Gesundheit, ihre Freunde, Verlässlichkeit, Zusammenhalt - und natürlich die kleinen Freuden des Alltags."

Weiter heißt es, schon vor über 60 Jahren habe der Gründer Ray Kroc gefordert: "Gebt der Gesellschaft einen Teil von dem zurück, was sie euch gegeben hat." Wer sich für die Ursprünge des Burger-Imperiums interessiert, und wissen möchte, warum McDonald's nicht Kroc's heißt, der kann sich mit dem Film "The Founder" (Der Gründer) zumindest einen gewissen Eindruck über die guten alten Zeiten und deren Werte verschaffen.

McDonalds-Gründer Ray Kroc

McDonalds-Gründer Ray Kroc. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Easterbrooks Strategie

Krocs gefeuerter Nachfolger Easterbrook ist seit 2015 geschieden und hat drei Kinder. Easterbrooks Strategie für den Konzern bestand darin, auf moderne Technologie zu setzen und die digitale Transformation voranzutreiben. Er startete eine Tech-Offensive um den Kunden mit personalisierten Erfahrungen zu versorgen, und setzte so viel wie möglich auf Automatisierung.  

Außerdem verkaufte Easterbrook zunehmend Filialen an Franchise-Nehmer. McDonald's nimmt so Umsatzeinbußen in Kauf, streicht dafür aber höhere Lizenzgebühren ein.

ts

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