Marriott Luxury Collection Hotel, Elciego

Airbnb vs. Marriott, Hilton & Co. Der große Übernachtungskrieg

Stand: 06.08.2019, 06:45 Uhr

Der Wohnungsvermittler Airbnb treibt die Hotelbranche seit Jahren vor sich her. Der Kampf um Übernachtungsgäste ist entbrannt: Traditionelle Hotelketten wie Marriott und Hilton haben mit Airbnb einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen. Doch jetzt schlägt Marriott zurück.

Für die Hotelbranche ist mit dem Aufstieg von Airbnb ein neuer mächtiger Konkurrent entstanden. Mit der sogenannten Sharing Economy lässt sich blendend Geld verdienen, wie der grandiose Erfolg des Wohnungsvermittlers beweist. Das Geschäft des von Brian Chesky und Joe Gebbia im Jahr 2008 als Vermittler von Schlafplätzen gegen Gebühr gegründeten Unternehmens ist mittlerweile riesig geworden.

Aktuell wird der Wert auf rund 35 Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend. Airbnb ist in 100.000 Städten aktiv und bietet sechs Millionen Unterkünfte in 191 Ländern an. Da überrascht es nicht, dass sich die Giganten der Hotelbranche ernsthaft Gedanken machen müssen, wie sie der Herausforderung begegnen können.

Zimmersuche per Internet, Übernachtung für Privat- und Geschäftsreisen

Privat oder Hotel: Zimmersuche per Internet, Übernachtung für Privat- und Geschäftsreisen. | Bildquelle: imago images / Levine-Roberts

Zum Vergleich: Die größte Hotelkette der Welt, der US-Konzern Marriott International mit den berühmten Marken Sheraton und Ritz-Carlton, bietet etwa 1,32 Millionen Hotelzimmer weltweit an. Wenn es um Unterkünfte und globale Präsenz geht, hat Airbnb also den Spitzenplatz längst erreicht.

An der Börse wird Marriott mit rund 45 Milliarden Dollar bewertet und ist damit wohl noch etwas wertvoller als Airbnb. Die Hilton-Kette liegt mit rund 26 Milliarden Dollar hingegen schon recht weit zurück.

Airbnb rückt näher ans Hotelgewerbe…

Nicht nur das. Airbnb rückt dem Hotelgewerbe noch einen weiteren Schritt näher: Im März 2019 erwarb das Unternehmen mit HotelTonight eine Vermittler-App von Last-Minute-Angeboten im Bereich Hotelzimmer. Und mit dem Kauf von LuxuryRetreats im Jahr 2017 hatte man das Angebot bereits um einen Vermittler von Luxus-Anwesen erweitert, der rund 4.000 Refugien in etwa 100 Ländern im Angebot hat.

Damit schloss  Airbnb auch einen Bogen zwischen den einstigen Abwurfstätten für Studenten-Schlafsäcke und Rückzugsorten für höchste Ansprüche der solventen Gesellschaft.

… das Hotelgewerbe näher an Airbnb

Aber das Hotelimperium Marriott schlägt zurück. Homesharing sei gekommen um zu bleiben, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Analysten. Das Beste, was die Hotellerie machen könne, sei es, das Modell begeistert anzunehmen. Marriott startete deshalb unlängst die Vermittlungsplattform „Home & Villas“ für Luxusanwesen in den USA, Europa, der Karibik und Lateinamerika. 2.000 Nobelhäuser soll das Angebot umfassen.

JW Marriott Austin, Texas

JW Marriott: Homesharing begeistert annehmen. | Bildquelle: Unternehmen

Im Angebot sind beispielsweise ein Landhaus mit vier Schlafzimmern auf einem Weingut in Kalifornien, eine Villa mit sechs Schlafzimmern im italienischen Sorrent am Golf von Neapel inklusive Pool oder ein Schloss in Irland aus dem 18. Jahrhundert mit privatem See.

Die Konkurrenten Hilton und Hyatt sind deutlich zurückhaltender. Hyatt hatte beispielsweise in das Homesharing-Startup Oasis Collections investiert, sich aber wieder zurückgezogen. Pläne in das Geschäft zurückzukehren gebe es nicht, wie Hyatt mitteilte. Auch Hilton sieht derzeit von einem Engagement ab.

Wann geht Airbnb an die Börse?

Für Airbnb ist die Annäherung an das Hotelgewerbe hingegen ein logischer Schritt. Um für Investoren so attraktiv wie möglich zu werden, ist man bestrebt, das Geschäftsmodell auf eine möglichst breite Basis zu stellen, deshalb ist die Akquisition von HotelTonight durchaus sinnvoll.

Denn seit längerer Zeit gilt das Unternehmen als Kandidat für einen Börsengang. Spekuliert wurde häufig mit einem Termin im zweiten Halbjahr 2019, angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten wäre es aber kaum überraschend, wenn sich das Management für einen späteren Zeitpunkt entscheiden würde.

Protest gegen Airbnb bei einer Veranstaltung mit Ashton Kutcher

Protest gegen Airbnb bei einer Veranstaltung mit Airbnb-Investor Ashton Kutcher. | Bildquelle: picture alliance/AP/Invision

Im Kerngeschäft Wohnungsvermittlung steht Airbnb immer wieder in der Kritik und muss schärfere Regulierungen seitens der Gesetzgeber fürchten. Der Vorwurf lautet, es würden Wohnungen dem lokalen Markt entzogen, und Touristen dauerhaft als Ferienwohnungen zur Verfügung gestellt. Letztlich führe das zu Wohnungsknappheit und steigenden Mieten. Deshalb verpflichten viele Städte Wohnungseigentümer dazu, sich online registrieren zu lassen, wenn sie via Airbnb vermieten wollen.

ts