Aphria-Chart und Cannabispflanzen

Hütchenspieler-Tricks? Marihuana-Aktie bricht dramatisch ein

von Angela Göpfert

Stand: 04.12.2018, 17:27 Uhr

Short Seller haben sich die Aktie von Aphria vorgeknöpft. Sie werfen dem kanadischen Cannabis-Unternehmen Insidergeschäfte, Marktmanipulation und Bilanzfälschung vor. Die Aktie stürzt dramatisch ab. Aphria weist die Vorwürfe vehement zurück.

Bis auf 5,60 Dollar ging es am Montag an der New Yorker Börse für die Aphria-Aktie bergab. Zum Handelsschluss an der NYSE stand ein Kursminus von 23 Prozent auf 6,05 Dollar. Auch am Dienstag verliert der Cannabis-Titel in New York zweistellig.

Die bis vor kurzem noch gehypte Marihuana-Aktie fiel damit sogar unter ihren Stand vom August zurück: Damals wurde der Constellation-Brands-Deal von Canopy verkündet – dieser gilt gemeinhin als der Startschuss für die Mega-Marihuana-Rally dieses Jahres.

Ist Aphria ein "schwarzes Loch"?

Doch geht es nach den Short Sellern von Quintessential Capital Management's Hindenburg Research, ist die Aphria-Aktie selbst mit Kursen unter 5,00 Dollar immer noch überbewertet.

Am Montag veröffentlichten sie einen Report, in dem sie schwere Vorwürfe gegen das Aphria-Management erheben: Bilanzfälschung, Insidergeschäfte, Marktmanipulation. Das kanadische Unternehmen sei für Anlegergelder ein "schwarzes Loch".

Hütchenspieler-Tricksereien mit Anlegergeldern

Laut Quintessential ist Aphria Teil eines "Hütchenspieler"-Systems, manipuliert von einem Netzwerk von Insidern, deren Ziel es sei, "Gelder weg von den Aktionären in ihre eigenen Taschen zu lenken".

Wie ein Hütchenspieler in der Fußgängerzone seine Hütchen in einer rasenden Geschwindigkeit verschiebt, hätten Aphria-Insider in Lateinamerika über Strohfirmen quasi wertlose Unternehmen oder Gebäude gekauft, die Aphria dann wiederum für viel Geld erwarb.

Hütchenspieler deckt mittlere Position auf

Hütchenspieler-Tricks - von der Fußgängerzone an die Börse?. | Bildquelle: (c) dpa

Zum Beispiel handele es sich bei der Akquisition in Jamaika für 145 Millionen Dollar lediglich um ein verlassenes Gebäude, das Anfang des Jahres von der Bank verkauft wurde. Das hätten die Nachforschungen von Quintessential vor Ort ergeben.

Sie sehen darin zugleich einen "heimtückischen und selbstsüchtigen Versuch, von der Manipulation des Aphria-Aktienkurses zu profitieren – zum Nachteil der Aktionäre".

"Falsch und diffamierend"

Eine Aphria-Sprecherin bezeichnete die Behauptungen von Quintessential Capital als "falsch und diffamierend". Das Unternehmen veröffentlichte am Dienstag eine umfassende Stellungnahme mit Details zu den Investitionen in Lateinamerika. Aphria werde auch rechtliche Möglichkeiten gegen Quintessential Capital verfolgen.

Vic Neufeld, CEO Aphria

Aphria-Chef Vic Neufeld weist die Vorwürfe zurück. | Bildquelle: Unternehmen

Die von Quintessential beanstandete Akquisition in Jamaika sei zwischen Aphria und der SOL Global Investment Corp. unter Hinzuziehung von Finanzberatern auf beiden Seiten durchgeführt worden. Zwischen beiden Unternehmen gebe es keine Verflechtungen, so Aphria. Bei der Transaktion sei zudem offengelegt worden, dass bestimmte Aphria-Insider kleine Anteile an SOL hielten.

"Gestern haben ich und einige weitere Mitglieder des Managements unser Vertrauen in den Business-Plan, die Wachstumsstrategie, Integrität und Werthaltigkeit des Unternehmens demonstriert und persönlich Aktien im Wert von mehr als 3,1 Millionen Dollar erworben", so Aphria-Chef Vic Neufeld.

Short Seller decken häufig Missstände auf

In der Tat sind es schwere Vorwürfe, die Quintessential Capital da erhebt. Das Unternehmen mit Sitz in der New Yorker Madison Avenue gibt dabei unumwunden zu, in der Aphria-Aktie short zu sein und damit von einem Kursverfall zu profitieren. Doch das ist kein Verbrechen.

Short Seller wie das renommierte "Citron Research" haben in der Vergangenheit schon häufig dazu beigetragen, Missstände bei Unternehmen aufzudecken. Auch Quintessential Capital ist in der Szene kein Unbekannter.

"Griechisches Parmalat" aufgedeckt

Grafische Darstellung wei ein Leerverkäufer arbeitet
Video

Wie funktionieren Leerverkäufe?

So hat Quintessential Capital erst im Mai dieses Jahres dazu beigetragen, die betrügerischen Machenschaften bei dem griechischen Einzelhändler Folli Follie aufzudecken – eine Art "griechisches Parmalat".

Heute ist das Unternehmen insolvent. Die Wertpapieraufsichtsbehörde hat wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen Klage gegen die Folli-Follie-Geschäftsleitung eingereicht.

Ob Quintessential im Falle von Aphria ähnlich erfolgreich sein wird?