MAN-Logo in dem sich ein LKW spiegelt

VW-Tochter muss Milliarden sparen MAN will 9.500 Stellen streichen

Stand: 11.09.2020, 13:14 Uhr

Der durch die Ausgangssperren verursachte Konjunktureinbruch trifft auch die Lkw-Bauer hart: Die VW-Tochter MAN muss deshalb massiv sparen und ganze Produktionsstandorte schließen. 9.500 Stellen sind in Gefahr. Der Betriebsrat sieht rot.

Bis 2023 solle eine Ergebnisverbesserung von rund 1,8 Milliarden Euro erzielt werden, teilte die Münchener Tochter der Nutzfahrzeugholding Traton am Morgen mit. In allen Bereichen sollen deshalb Stellen wegfalle, zudem wollen die Manager Produktion und Entwicklung an andere Standorte verlegen.

"Die derzeitigen Überlegungen umfassen den Abbau von bis zu 9.500 Stellen in Deutschland und Österreich sowie weltweit über alle Unternehmensbereiche hinweg," heißt es einer Mitteilung des Unternehmens. Ende 2019 beschäftigte MAN noch 39.000 Menschen.

Heftiger Streit vorangegangen

Der Produktionsstandort im österreichischen Steyr und die Betriebe in Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) könnten ganz geschlossen werden. Seit längerem steht bei MAN ein größerer Stellenabbau zur Diskussion, weil dem Konzern die Kosten schon vor der Corona-Krise zu hoch waren.

Zuletzt war in Medienberichten von bis zu 6.000 Stellen die Rede. Über das Vorgehen hatte es zwischen Ex-VW-Nutzfahrzeugvorstand und Traton-Chef Andreas Renschler und der Arbeitnehmerseite heftigen Streit gegeben. Renschler musste Anfang Juli seine Posten bei VW räumen, Traton und MAN erhielten neue Chefs.

Betriebsrat kündigt massiven Widerstand an

Beim Konzernbetriebsrat stoßen die Stellenstreichungen auf massiven Widerstand. "Es kann nicht sein, dass Stellenabbau und Standortschließungen die einzigen Lösungsansätze sind, die dem Vorstand einfallen", sagte der Vorsitzende Saki Stimoniaris. "Das sind Management-Konzepte von tief unten aus der Mottenkiste." Sparprogramme "nach der Rasenmähermethode" seien mit dem Betriebsrat nicht zu machen. Daran ändere auch die Corona-Krise nichts.

Für den Umbau veranschlagt MAN Kosten im mittleren bis oberen dreistelligen Millionenbereich. Nun sollen zeitnah Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen werden.

Die VW-Nutzfahrzeugholding Traton hatte bereits Ende Juli gesagt, dass sie wegen des Umsatzeinbruchs einen Verlust im Gesamtjahr nicht ausschließen könne. Zwar ist der neue Traton-Chef Matthias Gründler zuversichtlich für eine gewisse Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Im Gesamtjahr kann die Gruppe aus MAN, Scania und der südamerikanischen Volkswagen-Tochter Caminhões e Ônibus wegen des insgesamt erwarteten "drastischen Absatzrückgangs" aber einen operativen Verlust nicht ausschließen.

lg/dpa/rtr