Goldman Sachs-Schriftzug, im Hintergrund die amerikanische Flagge
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Kurseinbruch wegen Korruptionsaffäre Malaysia greift Goldman Sachs an

Stand: 13.11.2018, 15:00 Uhr

Ärger für Goldman Sachs: Malaysia hat in der Korruptionsaffäre rund um die Staatsfonds-Plünderung vor etwa fünf Jahren die amerikanische Investmentbank scharf kritisiert. Die Aktie stürzt ab.

Malaysias neuer Regierungschef Mahathir Mohamad will die Machenschaften der Investmentbanker im 1MDB-Skandal weiter aufklären. "Es gibt Beweise, dass Goldman Sachs Dinge getan hat, die falsch sind", sagte Mahathir am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. "Die Compliance (hausinterne Überwachung) funktioniert bei Goldman Sachs nicht gerade gut." Offensichtlich sei man von den Bankern betrogen worden.

Der malaysische Finanzminister Lim Guan Eng hatte bereits in einem vorherigen Interview angekündigt, sich alle Gebühren zurückzuholen, die die Mitarbeiter von Goldman Sachs bei ihren angeblich unrechtmäßigen Geschäften einsammelten. Auch Anwar Ibrahim, designierter Nachfolger des 93-jährigen Mahathir, sprach am Dienstag von "aggressiveren Maßnahmen", die ergriffen werden müssen, um die Verluste wiederzubekommen. Mahathir verwies auf ein Versprechen der US-Justizbehörde, den Staat zu unterstützen.

Anleger glauben Goldman nicht

Tim Leissner (in Begleitung von Kimora Lee)

Der ehemalige Südostasien-Chef von Goldman Sachs Tim Leissner in Begleitung seiner Gattin Kimora Lee. | Bildquelle: Imago

Die Aufklärungen kosten die Bank derzeit Milliarden. Analysten schätzen nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Bank stehe vor einem Risiko von bis zu zwei Milliarden Dollar, rechnet man Schadensersatz und Strafen zusammen. Anfang November wurden bereits zwei frühere Banker von Goldman Sachs von den US-Behörden angeklagt. Der ehemalige Südostasien-Chef Tim Leissner räumte seine Schuld hinsichtlich Geldwäsche und Verstößen gegen das amerikanische Anti-Korruptionsgesetz ein.

Ein Goldman-Sachs-Sprecher in Hongkong wollte sich zu dem Interview des malaysischen Ministerpräsidenten nicht äußern. Die Bank selbst wurde bisher nicht angeklagt und stritt stets ab, etwas falsch gemacht zu haben. Sie arbeiten nach eigenen Angaben mit den Ermittlern zusammen. Die Rufschädigung von Goldman Sachs könnte dennoch schwer wiegen.

Und auch die Anleger scheinen nicht restlos überzeugt: Die Goldman-Aktie verlor in der Nacht auf Dienstag um 7,5 Prozent an Wert. Am Montag war der Titel an der New Yorker Börse mit 206,05 Dollar auf den tiefsten Stand seit rund zwei Jahren gefallen. Im Xetra-Handel fällt der Finanztitel zur Stunde ebenfalls um über sieben Prozent.

Ehemaliger Ministerpräsident angeklagt

2009 hatte der inzwischen abgewählte malaysische Ministerpräsident Najib Razak den Staatsfonds 1MDB zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung aufgelegt. Das US-Justizministerium mutmaßt, dass hochrangige Fonds-Mitarbeiter und ihre Partner insgesamt mehr als 4,5 Milliarden Dollar aus dem Fonds nahmen.

Der malaysische Staatspräsident Najib Razak vor dem Landeswappen

Der frühere malaysische Staatspräsident Najib Razak. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Najibs Rolle in dem Skandal war eine der Hauptgründe für seine Abwahl. Bei einer Durchsuchung seines Hauses im Mai fand die malaysische Polizei nach eigenen Angaben unter anderem umgerechnet fast 25 Millionen Euro in bar, 567 Luxus-Handtaschen von Marken wie Hermes, Prada oder Chanel sowie 423 Uhren von Marken wie Rolex oder Chopard. Der ehemalige Regierungschef wurde der Korruption angeklagt, bestritt die Vorwürfe allerdings.

Betrug und Bestechung?

Goldman Sachs hatte 2012 und 2013 Anleiheemissionen begleitet und so dafür gesorgt, dass der Fonds rund 6,5 Milliarden Dollar in Anleihen begeben konnte. Die Investmentbank erhielt für ihre Arbeit rund 600 Millionen Dollar an Gebühren. Kritiker warfen der Investmentbank vor, für ihre Rolle viel zu hohe Gebühren verlangt zu haben.

Die Banker hatten die Kosten in der Vergangenheit verteidigt. Die Gebühren seien wegen des erhöhten Risikos für das Institut angefallen. Goldman Sachs habe die Bonds gekauft, während sie nach Investoren gesucht habe. Zudem habe 1MDB bei der Anleiheemission 2013 über 2,7 Milliarden Dollar die Mittel für geplante Investitionen schnell haben wollen.

Leissner gab zu, bestochen zu haben, um die Anleihen platzieren zu können. Darüber hinaus habe er überzogene Gebühren verlangt, von denen etwa 200 Millionen Dollar auf seinem Privatkonto gelandet sein sollen.

tb