Lyft-Fahrer zwischen gelben Taxis in New York
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Kein gutes Omen für Uber-IPO? Lyft fährt Milliardenverlust ein

Stand: 08.05.2019, 15:46 Uhr

Der Countdown für den Börsengang des Jahres läuft. Am Freitag geht der "Taxi-Schreck" Uber aufs Parkett. Der Hype ist riesig. Die neuesten Zahlen von Uber-Rivale Lyft schüren aber Zweifel, ob Fahrdienst-Vermittler überhaupt profitabel wirtschaften können.

So mancher erfahrene Anleger dürfte sich da an den Neuen Markt erinnern. Der US-Fahrdienstvermittler Lyft hat im ersten Quartal mehr Verluste als Umsatz gemacht. Von Januar bis Ende März machte Lyft 1,1 Milliarden Dollar - also knapp eine Milliarde Euro - Miese.

Mehr Verlust als Umsatz

Der Umsatz lag dagegen im ersten Quartal nur bei 775 Millionen Dollar, was aber immerhin fast doppelt so viel war wie im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der aktiven Fahrer stieg auf 20,5 Millionen.

Den horrenden Quartalsverlust begründete das Lyft-Management mit hohen Kosten im Zusammenhang mit dem Börsengang Ende März. Für die Vergütung mit Aktien im Zuge des IPO wurden 859 Millionen Dollar berechnet. Klammert man diese Kosten aus, sank der bereinigte Verlust im Jahresvergleich um knapp 17 Millionen auf 211,5 Millionen Dollar. 

Dementsprechend zufrieden zeigte sich Lyft-Mitgründer und Vorstandschef Logan Green. Das erste Quartal als Aktiengesellschaft sei ein "starker Start in ein wichtiges Jahr" gewesen. "Wir befinden uns noch in der sehr frühen Phase einer enormen Verschiebung weg vom privaten Auto hin zu Transport als Dienstleistung", sagte er.

Tiefrote Zahlen auch 2019

Wann der Turnaround beim Uber-Rivalen kommt, bleibt offen. Für das Gesamtjahr stellt Lyft weiter tiefrote Zahlen in Aussicht. Dieses Jahr werde das verlustreichste in der Lyft-Geschichte sein, kündigte der Fahrdienstvermittler an. Denn die Firma müsse massiv in Service-Stationen sowie die neuen Geschäfte mit elektrischen Fahrrädern und Tretrollern investieren. Für das laufende zweite Quartal rechnet Lyft mit einem Verlust von 270 bis 280 Millionen Dollar.

Der ernüchternde Ausblick setzt der Aktien von Lyft zu. Sie büßt am Mittwoch über zwei Prozent ein. Seit dem IPO haben sie gut 15 Prozent an Wert verloren. Der Ausgabekurs war auf 72 Dollar festgesetzt worden.

Wie viel ist Uber wert?

Wie hoch der angebotene Kurs bei Uber sein wird, entscheidet sich am Donnerstag. Die Preisspanne für die Aktien wurde auf 44 bis 50 Dollar festgelegt. Uber will 180 Millionen Anteilsscheine platzieren, wodurch nach aktuellem Stand ein Erlös von 7,9 bis 9,0 Milliarden Dollar herauskäme. Der Fahrdienstvermittler dürfte mit bis zu 90 Milliarden Dollar bewertet werden.

Proteste von Taxi-Fahrern gegen Uber und Lyft in Redondo Beach Audio

Börse 16.00 Uhr: Taxi-App Uber im Gerede

Ähnlich wie Lyft schreibt auch Uber hohe Verluste. Im vergangenen Jahr machte der Taxi-Schreck einen Fehlbetrag von 1,9 Milliarden Dollar. Dem "Wall Street Journal" zufolge geriet Uber im ersten Quartal noch tiefer in die Verlustzone. Warum dann der ganze Uber-Hype? Anleger liebten derzeit gute Storys und ingnorierten Verluste, meinen Experten.

Streiks der Uber-Fahrer

Überschattet wird der Mega-IPO von Streikaufrufen von Uber-Fahrern. In Australien und Großbritannien protestierten sie gegen schlechte Arbeitsbedingungen und schalteten zeitweise ihre Apps ab. In den USA waren ebenfalls Streiks geplant.

nb