Rimowa, Koffer

Rillenkoffer wird zum Glamour-Produkt LVMH trimmt Rimowa auf Luxus

von Notker Blechner

Stand: 24.07.2018, 06:45 Uhr

Mit den geriffelten Alu-Koffern revolutionierte Rimowa vor fast 80 Jahren die Reisegepäck-Branche. Nun wird der Kult-Koffer immer mehr zum Luxusprodukt. Der französische LVMH-Konzern lädt die Marke neu auf.

Viele Fachhändler, die jahrelang die Rimowa-Koffer verkauften, sind frustriert. So hatten sie sich die künftige Ausrichtung der Kölner Traditionsfirma unter dem neuen französischen Eigentümer LVMH nicht vorgestellt. Mitte März kündigte der weltgrößte Luxuskonzern allen 550 Rimowa-Händlern in Deutschland für Ende September.

Strengere Vorgaben für Fachhändler

In Zukunft können sie nur noch die legendären Rillenkoffer verkaufen, wenn sie bestimmte Umsatzvorgaben erfüllen. Pro Laden müssen die Fachhändler einen Mindesteinkaufswert von 200.000 Euro jährlich schaffen. Außerdem verlangen die Franzosen, dass sie mindestens 20 Quadratmeter Platz im Laden für die Koffer bereitstellen und zwei weitere Top-Marken führen.

Die meisten Fachhändler können diese strengen Kriterien nicht einhalten. "Höchstens ein Fünftel der Händler wird den geforderten Mindesteinkaufswert pro Laden erreichen", glaubt Joachim Stoll, Vizepräsident des Lederwarenverbands. Ein harter Schlag, denn viele Fachhändler machten bisher einen Großteil ihres Umsatzes mit den legendären Rillen-Koffern.

Mehr Glamour in innerstädtischen Stores

Der harte Umgang mit den Händlern ist Teil der neuen Vertriebsstrategie von LVMH bei Rimowa. Seit der weltgrößte Luxuskonzern mit edlen Handtaschen von Luis Vuitton, Champagner von Moet & Chandon, Parfums von Dior und Uhren von Tag Heuer im August 2016 für rund 640 Millionen Euro die Kölner Traditionsfirma übernommen hat, weht ein neuer Wind. Die Franzosen wollen die Koffer-Marke zum Premium- oder gar Luxusprodukt aufpeppen.

Ob am Münchner Marienplatz oder am Frankfurter Goetheplatz - in Rimowa-Stores in ausgewählten Top-Lagen deutscher Metropolen werden die geriffelten Koffer mit neuem Glamour angeboten.  "An diesen Plätzen gab es früher die Chanels, Vuittons und Hermès dieser Welt. Heute sind es Apple, Aesop und eben Rimowa", meint Rimowa-Co-Chef Alexandre Arnault, Sprössling des LVMH-Herrschers Bernard Arnault.

Der 24-jährige Jung-Manager will die Kult-Koffermarke neu erfinden und erweitern. Künftig solle die Marke zusätzliche andere Accessoires rund um das Thema Reise anbieten. Welche das sein werden, ist noch nicht bekannt.

Neue Innovationen wie der smarte Koffer

Bereits vor der Übernahme durch LVMH hat sich Rimowa modernisiert und ist auf den digitalen Trend aufgesprungen. So wurde mit der Lufthansa der "Electronic Tag" entwickelt. Der Reisende kann den smarten Koffer von zuhause schon per Smartphone einchecken. Während der Reise kann er jederzeit sehen, wo sich der Koffer gerade befindet.

Rimowa, Koffer

Rimowa. | Bildquelle: Unternehmen

Innovationen haben bei Rimowa Tradition. 1950 erfand die Kölner Firma den ersten Koffer aus Leichtmetall – mit geriffeltem Design. 50 Jahre später gelang Geschäftsführer Dieter Morszeck der nächste Coup: ein Koffer aus Polycarbonat, ein Kunststoff, der noch leichter als Aluminium ist. "Dieses Polycarbonat hat unsere Firma verändert", sagt Morszeck. Künftig konnten die Rimowa-Koffer auch in bunten Farben angeboten werden. Inzwischen hat sich Polycarbonat beim Reisegepäck durchgesetzt.

Geht die Strategie auf?

Mit rund 640 Euro sind die geriffelten Koffer von Rimowa etwas teurer als die Konkurrenzprodukte von Samsonite oder Titan. Künftig könnten sie noch mehr kosten.

Markenexperten rechnen kurzfristig mit Umsatzsprüngen. "Mit LVMH als Konzernmutter lassen sich die Erlöse von Rimowa schnell verdoppeln oder verdreifachen", sagt Klaus-Dieter Koch, Geschäftsführer der Managementberatung BrandTrust, in der "Welt". Ob sich für LVMH freilich der Rimowa-Deal auszahlt, ist fraglich. Rimowa sei kein Luxus-, sondern ein Premium-Anbieter. Insofern öffne sich der Luxuskonzern neuen Segmenten am unteren Rand.

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