Eurowings- und Lufthansa-Maschine
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Ergebnis unter den Erwartungen Eurowings-Expansion bremst Lufthansa

Stand: 26.04.2018, 09:17 Uhr

Nach der Übernahme von Air-Berlin-Teilen baut die Lufthansa ihr Flugangebot über die Tochter Eurowings massiv aus. Das kostet viel Geld - und belastet die Bilanz. Im reiseschwachen ersten Quartal stagnierte das operative Ergebnis.

Europas größte Airline muss Federn lassen. Zwar konnten die Lufthansa und ihre Töchter Swiss und Austrian ihre Ergebnisse in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich verbessern. Doch rote Zahlen von Eurowings fraßen den Großteil des Gewinns wieder auf. Das bereinigte operative Ergebnis erhöhte sich nur minimal um eine Million auf 26 Millionen Euro. Analysten hatten mit deutlich mehr, nämlich 48 Millionen Euro gerechnet.

Verlust höher als erwartet

Unterm Strich flog die Lufthansa einen Verlust von 57 Millionen Euro ein. Das ist etwas weniger als im Vorjahreszeitraum aber fast doppelt so viel wie erwartet. Analysten hatten lediglich ein Minus von 29 Millionen Euro vorhergesagt. Traditionell gilt das erste Quartal als schwierigste Periode in der Reisebranche.

Die Umsätze des Konzerns schrumpften im Quartal sogar leicht um 0,7 Prozent auf 7,64 Milliarden Euro. Grund dafür ist eine Umstellung in der Bilanz auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 15. Ohne diesen Effekt wären die Erlöse um 4,5 Prozent gestiegen. Analysten hatten mit Erlösen von 8,2 Milliarden Euro gerechnet.

Aktie im Sinkflug

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,15
Differenz relativ
-0,17%

Anleger zeigten sich ernüchtert. Die Aktien gehen zur Xetra-Eröffnung in den Sinkflug. Sie büßen drei Prozent ein und zählen zu den größten Verlierern im Dax. Nach ihrem Höhenflug 2017 mit einem Kursplus von rund 150 Prozent haben die Lufthansa-Papiere an Flughöhe verloren. Seit Jahresbeginn gaben sie gut 15 Prozent nach.

Die Lufthansa hatte im vergangenen Jahr gut die Hälfte der 144 Flugzeuge des pleite gegangenen Konkurrenten Air Berlin übernommen, um Eurowings auszubauen. Doch die Expansion kostet Geld. Bei dem Billigflieger seien "signifikante Einmalkosten" angefallen, räumte die Lufthansa ein. Der operative Verlust summierte sich im Quartal auf 203 Millionen Euro.

Teure Antrittsprämien für neue Eurowings-Piloten

Die Anwerbung und Ausbildung der Besatzungen bei der Billigtochter Eurowings ziehen sich hin. Zudem muss Eurowings neuen Piloten Antrittsprämien bezahlen, um genügend Flugzeuge in die Luft zu bekommen.

An der Prognose für das Gesamtjahr hält der Vorstand fest: Das bereinigte Ebit dürfte 2018 leicht unter dem Wert des Vorjahres von knapp drei Milliarden Euro liegen. Abstriche machte der Konzern aber bei seiner Prognose für das organische Angebotswachstum: Diese reduzierte der Konzern leicht auf sechs Prozent.

Wann steigen die Ticketpreise?

Die Zeit der Gewinnsprünge gehe für die Lufthansa zu Ende, meinte Analyst Daniel Roeska von Bernstein. Entscheidend wird sein, ob die Kranich-Airline ihre Ticketpreise erhöhen kann. In den beiden vergangenen Monaten Februar und März gelang dies nicht. Die durchschnittlichen Preise stagnierten.

nb