Wolke in Eurozeichen-Form und viele Flugzeuge am Himmel

Dax-Titel im Krisentief Wie würde ein Staatseinstieg auf die Lufthansa-Aktie wirken?

Stand: 23.04.2020, 16:33 Uhr

Schon seit Wochen ist eine Beteiligung des Bundes bei der Lufthansa im Gespräch. Jetzt steht eine Entscheidung offenbar kurz bevor. Grund zur Hoffnung für die Aktionäre?

Durch Kontakt- und Reisebeschränkungen ist das Flugaufkommen in den vergangenen Wochen massiv geschrumpft. Ein Großteil der Lufthansa-Flotte wurde mittlerweile stillgelegt: 700 der 760 Flugzeuge stehen am Boden. Nach Einschätzung des Lufthansa-Vorstands wird das Reiseaufkommen auch nach der Krise geringer ausfallen als zuvor – und das über Jahre hinweg.

DZ Bank-Turm und Fahnen mit dem DZ-Logo

DZ-Bank-Analysten halten Staatseinstieg für wahrscheinlich. | Quelle: picture-alliance/dpa

"Mit Blick auf die Corona-Krise und der sich daraus ergebenden erheblichen Belastungen für den Airline-Sektor wird ein Einstieg des Bundes bei der Lufthansa zunehmend wahrscheinlich. Wir halten in einem ersten Schritt eine Kapitalmaßnahme für möglich", schrieben Analysten der DZ Bank Anfang April. Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) forderte eine Verstaatlichung der Lufthansa.

Aktie im Krisental

Seit Beginn der Krise hat sich die Lufthansa-Aktie deutlich verbilligt. Seit Mitte Februar ist der Kurs des Titels um gut 48 Prozent gefallen. Derzeit liegt der Kurs knapp über 7,00 Euro. Ähnlich niedrige Kurse gab es 2009, damals notierte die Aktie auf dem bisherigen Rekordtief von 8,80 Euro, sowie 2012 und 2016. Immer wieder konnte sich die Lufthansa aber noch aus dem Tal retten.

Auswirkungen einer Verstaatlichung auf die Aktie

Neben der Möglichkeit des Staates der Lufthansa Kredite bereitzustellen, könnte der Bund Anteile der Lufthansa erwerben. Ein logischer Schritt wäre laut Guido Hoymann, Head of Equity Research Transport, Utilities beim Bankhaus Metzler, ein Eigenkapitaleinstieg des Bundes.

Guido Hoymann, Bankhaus Metzler

Guido Hoymann, Bankhaus Metzler. | Bildquelle: Unternehmen

Die Rettung der US-Banken 2008/2009 habe gezeigt, dass schnelle Hilfen in großem Umfang erfolgreicher sind. "Ich halte einen Eigenkapitaleinstieg des Staats für gar nicht so schlecht. Altaktionäre müssen zwar eine Verwässerung in Kauf nehmen, worunter der Kurs erstmal leidet. Aber es kann durchaus sein, dass das Unternehmen besser aus der Krise herauskommt, weil es einen höheren Eigenkapitalanteil und geringere Schulden hätte. Nach der Krise wäre es dann relativ schnell wieder bereit, um normal zu arbeiten."

Jürgen Kurz, DSW

Jürgen Kurz, DSW. | Bildquelle: Unternehmen

Ähnlich sieht es auch Jürgen Kurz, Pressesprecher der DSW. "Denkbar wäre etwa eine Kapitalerhöhung unter Bezugsrechtsausschluss. Das heißt, ausschließlich der Bund dürfte diese Kapitalerhöhung zeichnen und bekäme im Gegenzug Lufthansa-Aktien. Das würde zwar mit ziemlicher Sicherheit den Druck auf den Kurs nochmals erhöhen und zudem die Anteile der anderen Aktionäre verwässern, aber das Unternehmen wäre wieder kapitalisiert und die existenzielle Gefährdung abgewendet."

Das Umfeld entscheidet

Für die leidgeplagten Aktionäre der Lufthansa könnte ein Staatseinstieg also zunächst eher positiv wirken. Über den weiteren Verlauf würde dann wohl vor allem das wirtschaftliche Umfeld entscheiden. Und hier zeigt vor allem das Beispiel Commerzbank, dass ein solcher Schritt kein Allheilmittel ist.

Für die Lufthansa wird es in jedem Fall darauf ankommen, ob sie sich auch künftig im internationalen Wettbewerb mit den - ebenfalls massiv staatlich geförderten - anderen Airlines behaupten kann.

ms