Heck einer Lufthansa-Maschine und Mann mit grünen Ohrschützern
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Dax-Konzern in der Bredouille Lufthansa: Wie den Kranich das Glück verließ

Stand: 30.10.2018, 07:44 Uhr

Kraniche gelten nicht nur in Asien als "Vögel des Glücks". Ein bisschen Glück, das könnte die Lufthansa jetzt in der Tat gut gebrauchen. Der hohe Ölpreis und die verschärfte Konkurrenz machen der Kranich-Airline schwer zu schaffen. Die Kunden bekommen das jetzt in Form von höherenTicketpreisen zu spüren.

Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa erhöht die Preise: "Spätestens ab 2019" würden die "deutlich gestiegenen Treibstoffkosten" zu höheren Ticketpreisen führen, kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag an.

Das Zahlenwerk zum dritten Quartal, das der Lufthansa-Chef am Morgen präsentierte, ist für Branchenkenner eine einzige Enttäuschung. So ging das operative Ergebnis - auch wegen Sonderkosten für die Integration großer Teile der insolventen Air Berlin und der vielen Verspätungen und Flugausfälle im Sommer – um elf Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zurück. Der Überschuss sank um zehn Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Analysten hatten mit deutlich besseren Ergebnissen gerechnet.

Was für ein Absturz!

Eine Boeing 737 der Lufthansa im Anflug auf den Flughafen Düsseldorf. Im Hintergrund Flugzeuge von Air Berlin

Die Lufthansa war die größte Profiteurin der Air-Berlin-Pleite. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Doch wie hatte es nur so weit kommen können? Noch vor einem Jahr war die Lufthansa-Welt schließlich in bester Ordnung. Die Pleite der größten heimischen Rivalin Air Berlin im Sommer war ein Geschenk für die Lufthansa und ihre Billigtochter Eurowings.

Der Dax-Konzern erzielte einen Rekordgewinn, und Eurowings verleibte sich mehr als die Hälfte der Air-Berlin-Flotte ein. Die Lufthansa-Aktie war 2017 die größte Gewinnerin im Dax.

Doch in diesem Jahr weht der Lufthansa ein ganz anderer Wind entgegen. Von ihrem Rekordhoch im Januar bei 31,26 Euro fiel sie auf zuletzt 18,84 Euro. Ein rasanter Einbruch von sage und schreibe 40 Prozent. Der dramatische Kursverfall der Aktie spiegelt die großen fundamentalen Probleme wider, denen sich der Luftfahrtkonzern gegenübersieht.

Verschärfte Konkurrenz

Im Nachhinein scheint es, als ob die Euphorie über die neue Marktmacht der Lufthansa mit den Anlegern zunächst etwas durchgegangen war. Nun kehrt wieder mehr Realismus ein.

Jubelnder Michael O'Leary vor Ryanair-Maschine

Ryanair-Chef Michael O'Leary schlägt zurück. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Denn Fakt ist: Der Wettbewerbsdruck ist zuletzt wieder deutlich gestiegen. Die Billigflieger Easyjet und Ryanair und die von den Iren geschluckte Laudamotion drängen auf den Markt. Dadurch haben sich die Ticketpreise wieder auf einem niedrigeren Niveau eingependelt.

Hinzu kommt: Auch bei der Integration des ehemaligen Air-Berlin-Geschäfts lief nicht alles glatt. Vielfach fehlten Flugzeuge im Betrieb, Ersatz war in der Hochsaison schwer zu beschaffen, Ausfälle und Verspätungen häuften sich.

Teurer Treibstoff

Das wohl größte Problem stellte und stellt aber die Kostenseite dar: Der Ölpreis ist allein seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen. Das treibt die Preise für Kerosin. Der Flugzeugkraftstoff ist einer der größten Kostenblöcke bei der Lufthansa. Weil große Airlines wie die Lufthansa Kerosin meist im Voraus einkaufen, schlägt sich dies erst mit Verzögerung beim Gewinn nieder.

"Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Kostenanstieg von mehr als einer Milliarde Euro allein durch Treibstoffkosten und Sonderbelastungen durch Flugausfälle und Verspätungen", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstagmorgen.

Pläne für 2019 eingedampft

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Nimmt sich für 2019 weniger vor: Lufthansa-Chef Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die explodierenden Kerosinpreise zwingen Spohr dazu, auf die Wachstumsbremse zu treten: Das Flugangebot soll im kommenden Sommer nur noch um 3,8 Prozent wachsen - etwa halb so stark wie für 2018 geplant.

Immerhin: An seinem Plan, das operative Rekordergebnis von 2017 in Höhe von knapp drei Milliarden Euro in diesem Jahr nur knapp zu verfehlen, hält Spohr weiterhin fest.

ag

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Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926

Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926
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