Flugzeuge von Lufthansa und Air Berlin auf einem Rollfeld

Kampf um Landerechte Lufthansa: Weniger ist mehr

Stand: 07.12.2017, 08:38 Uhr

Marktführer Lufthansa muss sich nach der Air-Berlin-Pleite vor allem gegenüber den Kartellbehörden erklären und wird dabei wohl Landerechte abgeben müssen. Eigentlich, vielleicht kommt es aber auch anders.

Denn nach Insideraussagen könnte die Lufthansa trotz der Abgabe von Start- und Landerechten am Ende mehr Landerechte haben als zuvor. Dies hänge mit der EU-Regulierung und der Position der Lufthansa auf den betreffenden Flughäfen zusammen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters".

Der Kampf um die attraktiven Landerechte von Air Berlin, im Fachjargon Slots genannt, ist derzeit in vollem Gange. Konkurrenten der Lufthansa befürchten, dass der Platzhirsch vor allem im Inland eine marktbeherrschende Stellung erreichen könnte und die Flugscheine dadurch teurer werden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist diesen Befürchtungen entgegen getreten und hat stabile Preise versprochen.

Deutlich weniger Angebot

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vorwürfe der Preistreiberei gegen die Lufthansa sind bereits laut geworden. Das Bundeskartellamt hat angekündigt, die Preispolitik zu überprüfen. Fakt ist, dass vor allem im innerdeutschen Flugverkehr mit dem Ausfall von Air Berlin das Platzangebot deutlich geringer geworden ist. Lufthansa setzt deshalb bereits Großraumflugzeuge vom Typ "Jumbo Jet" B 747 auf den Kurzstrecken ein.

Zwei Easyjet-Maschinen

Easyjet. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ab dem kommenden Jahr will der britische Billigflieger Easyjet allerdings der Lufthansa Konkurrenz machen. Easyjet, das ebenfalls Maschinen und Personal aus der Konkursmasse von Air Berlin übernommen hat, will ab dem Jahresanfang innerdeutsche Flüge anbieten.

Zypries verteidigt die Lufthansa

Derweil hat Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries die Kranichairline gegen den Vorwurf der Preistreiberei in Schutz genommen. Es gebe auch viel ungerechtfertigte Kritik, sagte die SPD-Ministerin gegenüber der "dpa". Sie sprach von einer "verdrehten Diskussion".

Brigitte Zypries

Brigitte Zypries. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

"So hat beispielsweise niemand ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt werden, da kann die Lufthansa nichts dafür", so die Ministerin weiter.

Derzeit versucht Firmenchef Spohr, Bedenken der EU-Kommission gegen die Übernahme der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki auszuräumen. Man sei bereit, Niki nahzu "ohne Slots" zu übernehmen. Trotzdem ist die Genehmigung der Wettbewerbshüter bis zum Ablauf der Prüfungsfrist am 21. Dezember keinesfalls ausgemachte Sache.

Lufthansa-Aktie der Star der Börse

Unabhängig von allen wettbewerbsrechtlichen Fragen ist das Votum der Börse bereits jetzt eindeutig. Die Investoren sehen Lufthansa als den Gewinner der gegenwärtigen Konsolidierung auf dem Airlinemarkt, wie der Kursverlauf zeigt. Seit Jahresbeginn hat sich das lange Zeit eher unauffällige Papier mehr als verdoppelt.

rm

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