Dunkelblaue Lufthansafahnen mit weißem Kranich-Logo

Spitzentreffen in Berlin? Lufthansa vor entscheidender Woche

Stand: 22.06.2020, 16:12 Uhr

Noch ist unklar, ob die Lufthansa ausreichend Aktionäre für die Hauptversammlung am Donnerstag mobilisieren kann, die dem Rettungspaket des Bundes wohlgesonnen sind. Im Ringen um die Airline hat sich erneut die Politik eingeschaltet. Ein Krisentreffen brachte keine Einigung. Die Anleger bangen.

Sorgen um das Rettungspaket drücken die Papiere des Dax-Absteigers heute um bis zu sechs Prozent unter die Marke von 10,00 Euro. Heftige Verluste während des Corona-Crashs hatten dazu geführt, dass der Titel seinen Platz im deutschen Leitindex räumen mussten und seit heute dem MDax angehört, in dem er nun unter den insgesamt 60 Mitgliedern zu den größten Tagesverlierern zählte.

Vor rund zwei Wochen waren die Lufthansa-Aktien im Zuge ihrer Erholungsrally noch bis auf 12,56 Euro gestiegen. Damit hatten sie sich seit Mitte Mai wieder um mehr als 76 Prozent verteuert und dabei von den beschlossenen Lockerungen von Reisebeschränkungen profitiert. Die Lufthansa-Aktien stecken jedoch - anders als der Gesamtmarkt - bereits seit Anfang 2018 in der Krise. Damals hatten sie bei 31,26 Euro ein Rekordhoch erreicht.

Zu wenig Aktionäre auf der HV

Die Airline fürchtet angesichts einer mangelhaften Aktionärspräsenz auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag einen ungewissen Ausgang bis hin zu einer Insolvenz. Denn die Anleger müssen dem neun Milliarden Euro schweren Hilfspaket des Bundes zustimmen. Sollten zu wenig Aktionäre an der Versammlung teilnehmen, könnte Großaktionär Heinz Hermann Thiele die Rettung zu Fall bringen, denn er sieht den Einstieg des Bundes kritisch. Ein Vermittlungsgespräch zwischen Thiele, Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Montag brachte nach Informationen des "Handelsblatts" keine Einigung.

"Seit heute Nacht wissen wir, dass unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben", hieß es in einem Brief von Spohr an die Mitarbeiter von gestern, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Damit sei nun eine Zweidrittelmehrheit nötig, "die nach jüngsten Äußerungen von wichtigen Aktionären insbesondere zu den Konditionen der Kapitalerhöhung nicht sicher erscheint".

Drei mögliche Szenarien

Damit ist vor allem Heinz Hermann Thiele gemeint, der seine Anteile an der Lufthansa zuletzt von 10 auf 15,5 Prozent aufgestockt hat. Er befürchtet, dass der mit 20 Prozent an der Airline beteiligte Bund die notwendige Sanierung der Airline verhindern könnte, wenn etwa von Arbeitnehmerseite Druck aufgebaut werde. Seine Zustimmung zum Rettungspaket ließ Thiele bisher offen.

Citigroup-Analyst Mark Manduca skizzierte drei mögliche Szenarien für die Hauptversammlung. Erstens: Der Rettungsplan werde angenommen. Dann dürfte der Aktienkurs kurzfristig wieder steigen. Zugleich dürfte Lufthansa in den nächsten drei Jahren das Geschäft in Vorbereitung auf eine deutlich verwässernde Bezugsrechtsemission wieder aufbauen.

Zweitens: Das Rettungspaket werde nicht angenommen und die Bundesregierung rücke von ihrer geplanten Kapitalbeteiligung rasch wieder ab. Dies wäre seines Erachtens die beste Lösung für die Aktie und das Management.

Drittens: Das Rettungspaket werde nicht angenommen, es würden auch keine neuen Bedingungen seitens der Regierung festgelegt und das Management trete zurück. Dann, so schrieb er, fiele der Aktienkurs wohl stark und der aktuelle Großaktionär würde seinen Anteil ausbauen.

Zünglein an der Waage

Laut Dirk Schlamp von der DZ Bank ist Thiele nach seiner Anteilsaufstockung zum Zünglein an der Waage geworden. Sollte er dem Rettungsplan nicht zustimmen, dürfte das Paket scheitern, konstatiert der Analyst. Möglicherweise nutze Thiele aber auch die gestiegene und von ihm gestreute Verunsicherung dazu, um weitere Lufthansa-Aktien zu erwerben und werde dann doch für das Rettungspaket stimmen.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung würde einen erheblichen Wertverlust seiner Lufthansa-Beteiligung bedeuten. Im Falle einer sich anschließenden regulären Insolvenz könnte sogar der Totalverlust drohen.

Finanzminister Scholz schließt Änderungen aus und setzt auf Überzeugungskraft: Die Regierung habe mit der Lufthansa ein sehr gutes Paket ausgehandelt, das auch die Zustimmung der EU-Kommission finde, sagte er am Vormittag bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt, zu der er zugeschaltet war. "Ich glaube, über den Vorschlag diskutieren - was wir tun, um klarzumachen, worum es geht - könnte einen Konsens organisieren", ergänzte er in seinem auf Englisch gehaltenen Redebeitrag. Die Lufthansa sei ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Die Regierung müsse es möglich machen, dass es die kritische Lage durch die Corona-Pandemie überlebe.

lg/dpa/rtr