Boeing 747-8 der Lufthansa mit neuem Logo
Audio

Konkurrenz schwächelt Lufthansa über den Wolken

Stand: 04.06.2018, 08:25 Uhr

Die Airline blickt auf einen sonnigen Flugsommer. Die Ticketpreise dürften laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr wieder steigen. Die Flugzeuge werden in der Ferienzeit rekordverdächtig ausgelastet sein, so der Airline-Chef.

Spohr äußerte sich am Wochenende am Rande der Generalversammlung des Branchenverbandes IATA in Sydney. Laut dem Lufthansa-Chef werden sich die zuletzt unter Druck stehenden Durchschnittserlöse zur Jahresmitte wieder nach oben bewegen. Verschiedene Faktoren tragen laut dem Manager dazu bei.

Einerseits profitiert die Lufthansa von den Tarifauseinandersetzungen bei der französisch-niederländischen Konkurrenz Air France KLM. Dadurch werde das Flugangebot in der Branche nicht mehr so stark ansteigen. Auch durch den langsamer als erwarteten Ausbau der Lufthansa-Kapazitäten werde der Anstieg der Kapazitäten geringer ausfallen - und die Preise damit in der Tendenz steigen. Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Flugzeuge wie dem Airbus A320neo oder der C-Serie von Bombardier sind dafür verantwortlich.

Steigt Accor bei Air France ein?

Die Probleme beim Rivalen Air France KLM könnten noch länger andauern. Die französische Regierung erwägt laut Medienberichten inzwischen einen Verkauf ihrer Beteiligung an Air-France-KLM. Sie überlege, das 14,3-prozentige Paket an der Fluglinie ganz oder in Teilen abzustoßen, berichtete "Les Echos" am Sonntag unter Berufung auf anonyme Quellen. Es gebe eine Interessensbekundung für die Aktien von Europas größtem Hotelbetreiber AccorHotels.

Accor teilte mit, man befasse sich erneut mit einem möglichen Einstieg bei Air France KLM. Man sei in einer sehr frühen Phase dabei, die Machbarkeit und die Bedingungen einer solchen Transaktion zu prüfen. "Es ist nicht sicher, dass diese Initiativen zu einer Übereinkunft oder zu irgendeiner Art der Umsetzung führen", so Accor. Die Auseinandersetzung um Gehälter könnten bei einem anstehenden Verkauf der staatlichen Beteiligung durchaus weiter andauern.

Branchenverband sieht trübe

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,31
Differenz relativ
+1,75%

Kurzfristig sieht es damit für die Lufthansa und ihre Geschäftsaussichten also heiter aus. Der gesamte Branche muss sich aber wohl im laufenden Jahr auf etwas schwächere Erträge einstellen. Auch dies wurde am Rande der IATA-Veranstaltung in Australien am Wochenende bekannt. Der Branchenverband hat wegen steigender Arbeits- und Treibstoffkosten seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Für 2018 wird danach nur noch einen Gewinn von 33,8 Milliarden Dollar erwartet, zwölf Prozent weniger als bislang geschätzt.

Verantwortlich dafür sind laut IATA eine Reihe von Faktoren. Dazu gehören etwa steigende Zinsen, aber auch eine ganze Reihe geopolitischer Unsicherheitsfaktoren, die das Risiko für die Airlines erhöhten, so die IATA. Laut Generaldirektor Alexandre de Juniac entspricht der prognostizierte Gewinn gut vier Prozent des erwarteten Umsatzes von rund 750 Milliarden Dollar. Dies sei "keine große Zahl", so de Juniac. Die Branche sei immer noch empfindlich: "Unsere Möglichkeiten, große Schocks zu überstehen, sind begrenzt."

AB