Lufthansa VIP-Shuttle mit Mercedes

Einstieg ausländischer Investoren in großem Stil Lufthansa setzt Mercedes vor die Tür

Stand: 20.05.2019, 11:03 Uhr

Mercedes hat den Transport hochrangiger Passagiere an Flughäfen an die Konkurrenten Porsche und VW verloren. Ein ausländischer Hedgefonds bringt derweil Lufthansas Betriebsgenehmigung in Gefahr.

Der Hon-Circle, das exklusivste Lufthansa-Klientel mit Vielfliegern der Sonderklasse und den First Class-Passagieren, wird an den Flughäfen in Frankfurt und München per Shuttle zum Flugzeug gebracht und abgeholt. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat die Fluggesellschaft nun den zuständigen Autobauer gewechselt.

Bisher wurden die Status-Reisenden in S- und V-Klassen von Mercedes sowie in den Porsche-Modellen Panamera und Cayenne kutschiert. Mit der Mercedes-Flotte ist nun Schluss. Alle 108 S-Klassen und auch die V-Klassen hat Lufthansa verbannt. Angeblich seien die Wagen mit Hybridantrieb häufig überfordert gewesen und die Fahrer hätten oft Starthilfe gebraucht. Außerdem hätten die Sitze gequietscht.

Lufthansa selbst gibt andere Gründe an. Zum einen habe Mercedes das Sponsoring des Hon-Circles aufgegeben. Zudem sei der Vertrag Ende März ausgelaufen und keine Einigung über einen neuen erzielt worden, sagte ein Lufthansa-Sprecher der "F.A.S".

Offenbar ist VW nun neu im Spiel. Der Vorteil für die Fluggesellschaft: Niedrigere Kosten mit nur einem Hersteller und damit nur einem Kundenservice. Transportaufgaben durch Kleinbusse übernimmt künftig der VW-Bus T6.

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Ein anderer Wechsel in der Auto- und Sponsoringwelt wird dagegen überraschend scheitern. BMW wird doch nicht Sponsor beim FC Bayern. Der Autohersteller hat die Verhandlungen über einen Vertrag mit dem Fußball-Bundesligisten abgebrochen. Konkurrent Audi, der seinerseits sein Angebot erhöht hat, kann somit aufatmen.

Zurück zu Lufthansa. Die Aktie ist am Montag nach dem trüben Ausblick von Ryanair mit einem Verlust von bis zu 2,2 Prozent einer der größten Verlierer im Dax. Das Papier der Kranich-Linie baut damit seine Verlustserie der vergangenen Tage aus und liegt nur noch knapp über dem jüngsten Zwischentief seit November 2018 bei 17,81 Euro.

Ausländeranteil bei den Aktionären steigt bedenklich

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Darüber hinaus ist der "Welt am Sonntag" zufolge die Betriebsgenehmigung der deutschen Airline in Gefahr. Durch den Einstieg des Hedgefonds Lansdowne Partners liegt die Ausländerquote in der Aktionärsstruktur über der Warnschwelle von 40 Prozent.

Ende März stand die Quote noch bei knapp 30 Prozent - einen Monat später bereits bei 42 Prozent. Mit einer Beteiligung von 7,7 Prozent ist der auf den Kaimaninseln registrierte und von London aus gesteuerte Finanzinvestor nun größter Aktionär von Europas größter Fluggesellschaft. Dahinter folgen der US-Gigant Blackrock und die Zentralbank Norwegens.

Genehmigung und Rechte in Gefahr

Sollte der Ausländeranteil über 50 Prozent klettern, sind Betriebsgenehmigungen und Luftfahrtrechte von Lufthansa gefährdet. Nach einer Vier-Wochen-Frist droht dann die Verlusterklärung der Rechte - gegen Entschädigung. Das ist im Luftverkehrsnachweissicherungsgesetz festgelegt. Die Airline muss mehrheitlich in deutschen Händen sein.

Der Lufthansa-Vorstand kann verschiedene Schritte einleiten, um den Anteil ausländischen Kapitals zu verringern. Bei mehr als 40 Prozent hat die Lufthansa die Möglichkeit, bis zu zehn Prozent ihrer eigenen Aktien zurückzukaufen. Steigt der Anteil über 45 Prozent, kann die Airline ihr Grundkapital um bis zu zehn Prozent erhöhen und das Bezugsrecht begrenzen.

Als äußerste Maßnahmen kann Lufthansa die Annahme ausländischer Aktionäre verweigern und nach Überschreitung der 50 Prozent gar die letzten ausländischen Käufer auffordern, ihre Aktien wieder zu verkaufen.

tb